Ursendung am 21. Juni 2017: Deutschland 2071 (Nature Theater of Oklahoma) WDR 2017 / Impulse Theaterfestival

Deutschland 2071 (Nature Theater of Oklahoma) WDR 2017 / Impulse Theaterfestival
Deutschland 2071 (Nature Theater of Oklahoma) WDR 2017 / Impulse Theaterfestival

WDR 2017 / Impulse Theaterfestival

Regie: Nature Theater of Oklahoma

Musik: Andreas Bick
Technische Realisation: Benno Müller vom Hofe

Mit:
Sorin Pascu, Sylvia Bertelmann, Detlef Liehr, Marie Yan, Wolfgang Michel, Matthias Matthies, Lara Roth, Monika Loser, u. v. a.

Als Auftakt des Theaterfestivals Impulse in Köln sendet WDR 3 das Hörspiel „Deutschland 2071“. Entstanden in Kooperation mit Impulse erzählt es eine ebenso dystopische wie humorvoll skurrile Geschichte über Kunst, Liebe und politisches Handeln.
Parallel zum Hörspiel drehten die New Yorker Theatermacher den Kunstfilm, dessen Uraufführung am 25. Juni im Kölner Funkhaus stattfindet – live begleitet von einem originalen Trautonium.

Wir schreiben das Jahr 2071: Das Land steht kurz vor dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenbruch, Revolutionen kommen und gehen wie Sonnenstürme. Außerirdische werden erst freudig willkommen geheißen, dann verwurstet.

Die Kinderaufzucht findet bis zur Arbeitsfähigkeit in griechischen Kolonien statt und Gefühle wurden durch Emojis ersetzt. Die international arbeitende New Yorker Theatergruppe Nature Theater of Oklahoma hat „Deutschland 2071“ sowohl als Film, als auch als Hörspiel realisiert. Das Retro-Science-Fiction-Projekt zeichnet das düstere und zugleich skurril komische Bild einer neuen, alten, utopischen, dystopischen, nostalgischen, futuristischen Stadt, die deutlich an das bundesrepublikanische Westdeutschland der Nachkriegsjahre erinnert. Die Ton- und Bildaufnahmen entstanden mit großer lokaler Beteiligung vor der modernistischen Kulisse Kölns sowie diversen Baustellen Berlins – und im WDR Hörspielstudio. Alle Rollen – von den vorab gecasteten Hauptprotagonisten bis zu den Massenszenen – wurden mit Kölner und Berliner LaiendarstellerInnen besetzt: Alle, die zu den zahlreichen öffentlichen Aufnahmen kamen, wurden Teil des Projekts, die Stadt wurde zum Studio, die Live-Aufnahmen zur Performance, die wiederum zum Film – und all das zum Hörspiel.

hoerspielTIPPs.net:
Die totale tatsächliche Buchstäblichkeit – Der WDR lässt vom Nature Theater of Oklahoma eine Zukunftsvision produzieren, die die „Möglichkeit [bietet], ihre so eigenständige und faszinierende künstlerische Handschrift im rein akustischen Medium ganz neu zu erleben -und damit auch die Möglichkeiten des Genres Hörspiel weiterzutreiben“.
Aha.
Letzteres deutet schon mal darauf hin, wohin die Reise gehen wird – Hörspiel des Monats, des Jahres, Deutscher Hörspielpreis der ARD und der Kriegsblinden. Hier attestiere ich der Produktion jeweils gute Chancen.
„Das Stück bringt ein beachtliches Potpourri an Themen zusammen und entwickelt außergewöhnliche – und komische – Verbindungen zwischen diesen Motiven“, so die Dramaturgin Christina Hänsel. Da hat sie tatsächlich total recht, buchstäblich gesehen. Allerdings würde ich das Bild eher etwas anders zeichnen wollen. Ich empfand es mehr als Eintopf mit guter Grundlage, der allerdings mit unterschiedlichen und unpassenden Zutaten zu einem diffusen Brei vermengt wird. Kann man machen, mir schmeckte es nur nicht.
Die Dystopie, die mit Laiensprechern gestaltet wird, funktioniert hier nicht, da die Sprecher Rollen ausfüllen sollen, die sie nicht authentisch verkörpern können. Dass dies gewollt ist, um der Produktion einen „besonderen Charme“ zu geben, macht es nicht besser. Auch die verwendete Sprache nervt. Man setzt zwar einen Slang sehr konsequent um, es wirkt jedoch in seiner Ausprägung – insbesondere die stetige Verwendung immer gleicher Superlative – nicht glaubwürdig. Auch der Umstand, dass jede wörtliche Rede von den Erzählern angekündigt wird, belastet den Hörnerv auf Dauer. Ein Lichtblick – immerhin: Die Musik von Andreas Bick gibt dem Ganzen zumindest einen hörenswerten Rahmen.

Für skurrile und ohrenfreundliche Zukunftsvisionen hätte man beim WDR auf bewährte Kräfte wie Eugen Egner vertrauen können. Hier wollte man aber neue Wege gehen und „große Kunst“ schaffen, das mag bei dem als Zielgruppe anvisiertem Kunstklüngel vermutlich beklatscht werden, bei mir reicht es nur zum Kopfschütteln.

Ursendung im Radio: 21.06.2017, 19 Uhr, WDR 3

Befristeter Download bei WDR3 ab 21.06.2017, ca. 20 Uhr


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