Die Hörspielneuheiten: Fallen, Maigret, Tödliche Proben, Wayne McLair u. v. a.

Die Hörspielneuheiten der letzten Woche. Neben den Neuheiten im Handel findet ihr hier auch die aktuellen Hörspiele zum (kostenlosen) Download.

Bitte beachtet, dass Letztgenannte zum Teil nur befristet zur Verfügung stehen.

Das Phantom der Schule (Anna Böhm) DLR / NDR / WDR 2016
Das Phantom der Schule (Anna Böhm) DLR / NDR / WDR 2016

DLR / NDR / WDR 2016

Regie: Klaus-Michael Klingsporn

Musik: Lexa A. Thomas

Mit:
Filippo Szymczak, Luise Geitel, Levon Schlegel, Franziska Troegner, Janus Torp, Bettina Kurth, Tonio Arango

Chrissi hat fast die Schule angezündet. Aber nur aus Versehen! Trotzdem darf er nicht mit zur großen Schulfahrt und muss mit zwei anderen Kindern, die auch was ausgefressen haben, in der Schule bleiben. Und mit der strengen Direktorin, die ihnen Strafarbeiten aufbrummt. Nö! Chrissi nimmt sich fest vor, die ganze Woche über wütend in der Ecke zu sitzen. Doch dann liegt ein halber Döner in der Schulküche und das ist nur der Anfang der Spukerei. Chrissi überredet die beiden anderen Kinder, dem Phantom auf die Spur zu kommen. Dafür brauchen sie einen Plan und gute Nerven. Am Ende sind sich alle einig: Dieses Grusel­abenteuer in der leeren Schule erweist sich als tausendmal aufregender als die verpasste Reise!

Ursendung im Radio: 06.11.2016

Veröffentlichung (Download): 29.04.2017

Vorstellung im OhrCast


Die Walpurgisnacht (Martin Beyerling nach Heinrich Zschokke) hoerspielprojekt 2017
Die Walpurgisnacht (Martin Beyerling nach Heinrich Zschokke) hoerspielprojekt 2017

hoerspielprojekt 2017

Regie: Martin Beyerling

Bearbeitung: Martin Beyerling
Lektorat: Jacqueline Arlt
Musik: Guillaum Cochard-Lemoine

Mit:
Robert: Claudio Volino
Rotrock: Werner Wilkening
Wirt: Sven Leimann
Schachspieler: Marcel Ellerbrok
Schachspielerin: Dorothea Stürmlinger
Student: Pascal Runge
Student: Jan Borden
Student: Klaus Neubauer
Student: Klaus Schankin
Student: Marek Schädel
Student: Jens Niemeyer
Bruder: Jan Langer
Julie: Hannah Jöllenbeck
Starost: Matthias Ubert
Verfolger: Jan Münter
Verfolgerin: Jennifer Bartelt
Bauer: Michael Gerdes
Bäuerin: Aiga Kornemann
Fanny: Sonja Schreiber
Freundin: Stefanie Puke
Diener: Klaus Neubauer

Eine Geschäftsreise führt Robert in ein Wirtshaus im Prag des frühen 18. Jahrhunderts. Der Verlust seiner Brieftasche und eine ungewöhnliche Begegnung mit einem Mann namens Mannteuffel führt Robert auf einen blutigen Pfad von Versuchung, Verführung und Mord. Die Walpurgisnacht naht und Mannteuffel stellt die entscheidende Frage: „Kennen Sie mich nun? Und was ich von Ihnen will?“

Veröffentlichung (Download): 30.04.2017


Engel der Verlorenen (Mirko Gutjahr) Geschichtenkapsel 2017
Engel der Verlorenen (Mirko Gutjahr) Geschichtenkapsel 2017

Geschichtenkapsel 2017

Veröffentlichung (Download): 01.05.2017


Fallen (6) Labrags - IMAGA 2017
Fallen (6) Labrags – IMAGA 2017

IMAGA 2017

Regie: Marco Göllner
Produktion: Alex Stelkens, Oliver Döring
Produktionsleitung: Ila Schnier von Wittlich

Sie ist 10 Jahre alt – allein und auf der Flucht vor unbegreiflichen Kräften: Weiße und schwarze Engel sammeln sich zum letzten Kampf um die kleine Marie Dufage, die die Ausersehene aus der Prophezeiung sein könnte. Es ist eine erbarmungslose Jagd, ein überirdischer Kampf zwischen Gut und Böse – und mitten drin versuchen zwei Menschen verzweifelt, Marie zu retten, um damit das Schlimmste zu verhindern.

Veröffentlichung (Handel): 05.05.2017


Fritz Vollenweider (Schaggi Streuli) DRS 1952
Fritz Vollenweider (Schaggi Streuli) DRS 1952

DRS 1952

Regie: Arthur Welti

Mit:
Schaggi Streuli, Lee Ruckstuhl, Lisa Burkhard, Sigfrit Steiner, Fred Tanner, Josef Scheidegger, Walo Lüönd, Paul Bühlmann, Hermann Frick, Hilde Wittwer

Fritz Vollenweider nennt die Dinge beim Namen, setzt sich für Arbeitskollegen ein, kuscht vor nichts und niemandem, und eine in Aussicht gestellte Beförderung bereitet ihm schlaflose Nächte.

Veröffentlichung (Download): 01.05.2017


Helvetistan (Michael Herzig) SRF 2017
Helvetistan (Michael Herzig) SRF 2017

SRF 2017

Regie: Reto Ott
Ton: Basil Kneubühler

Musik: Malte Preuss

Mit:
Liliane Amuat, Kamil Krejci, Andrea Bettini, Peter Hottinger, Marla Ott, Franziska von Fischer, Nicola Fritzen, Robert Baranowski, Jonathan Loosli, Malika Khatir, Raphael Clamer, Anja Schärer, Anette Herbst, Martin Hug, Päivi Stalder

Sie ist eine der Quotenfrauen bei der Zürcher Stadtpolizei. Und sie ist die Hauptfigur in den Kriminalromanen von Michael Herzig: Johanna di Napoli, die Revierdetektivin mit dem Hang zu Alleingängen. Jetzt kann man ihr erstmals im Hörspiel begegnen. Dabei kommt sie der Rüstungslobby in die Quere.

Der Berner Michael Herzig hat der Marke „Züri-Krimi“ in den letzten Jahren viel neuen Schwung verpasst. Das hat nicht nur mit den spektakulären und glaubwürdig grundierten Plots des langjährigen Mitarbeiters im Zürcher Sozialamt zu tun. Vielmehr ist dafür seine Protagonistin Johanna di Napoli verantwortlich. Die im männerbündisch geprägten Polizeikorps mehr schlecht als recht geduldete Quereinsteigerin ist eine Figur mit Ecken und Kanten. Sie geht ihren eigenen Weg, beruflich wie privat, und rennt zuweilen auch geradeaus ins Verderben.

Nach vier Fällen in Romanform ermittelt Johanna di Napoli nun erstmals als Hörspielfigur. Auch für Michael Herzig ist das eine Premiere – sogar eine doppelte: Mit „Helvetistan“ legt er nicht nur seine erste Radioarbeit, sondern gleichzeitig sein erstes Werk auf Mundart vor. Dabei geht es um einen Fall, der es in sich hat. Beteiligt sind unter anderem: ein toter Asylbewerber aus Afrika, ein zwielichtiger Agent aus dem Kaukasus und eine prominente Zürcher Anwältin, die mit Waffendeals in der Grauzone ihr Geld verdient.

Ursendung im Radio: 28.04.2017

Veröffentlichung (Download): 29.04.2017


Jackie (Elfriede Jelinek) BR 2003 / Hörsturz Booksound 2004
Jackie (Elfriede Jelinek) BR 2003 / Hörsturz Booksound 2004

BR 2003 / Hörsturz Booksound 2004

Regie: Karl Bruckmaier

Mit:
Marion Breckwoldt

Eine ehemalige Heroine Amerikas, ein längst verstorbenes Idol, ruft aus dem Jenseits die Toten an. Dabei erschafft sie ein Bild von sich selbst, sie prüft Inhalt und Form ihrer Rolle, sie inszeniert sich als Kunstwerk. Mit biografischen Fakten und einem permanenten Vergleich mit Marilyn Monroe, Jackies stärkster Gegenspielerin, umkreist Jelinek in ihrem Hörspielmonolog Jacqueline Bouvier (1929 – 1994), die Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy und des griechischen Milliardärs Aristoteles Onassis. Ein Leben voller Glanz und Glamour, Bedeutung und Behauptung, Schicksalsschläge und Schocks. Hörspielpreis der Kriegsblinden 2004.

Veröffentlichung (Download): 01.07.2004


Lady Bedfort (97) Lady Bedfort und der Schatten über Glecoe Teil 2 - Hörplanet 2016
Lady Bedfort (97) Lady Bedfort und der Schatten über Glecoe Teil 2 – Hörplanet 2016

Hörplanet 2016

Mit:
Isabella Grothe, Dennis Rohling, Maria Koschny, Bodo Wolf, Lara Trautmann, Sabine Jaeger, Karen Schulz-Vobach, Thomas Petruo u.v.a.

Nachdem bei Lady Bedfort eingebrochen wird, macht sie eine erstaunliche Entdeckung: Der Dieb hat nur ein Amulett gestohlen und ihr sogar noch etwas dagelassen – ein weitaus wertvolleres Schmuckstück. Dabei war sie nicht das einzige Opfer, sondern der Einbruch offenbar Teil einer Serie. Gemeinsam mit ihrem Butler Max verfolgt sie die Spur des Täters. Sie führt zu einem seltsamen Antiquitätenhändler und einer ganz besonderen Erbschaft…

Veröffentlichung (Handel): 05.05.2017


Maigret & Co: Die rätselhaftesten Fälle (Georges Simenon) DAV 2017
Maigret & Co: Die rätselhaftesten Fälle (Georges Simenon) DAV 2017

DAV 2017

Regie: Gerd Westphal, Felix Klee, Albert Rösler, Ludwig Cremer, Lothar Timm, Leonard Steckel

Mit:
Hans Paetsch, Horst Tappert, Leonard Steckel, Georg Mark-Czimeg, Walter Sprünglin, Berthe Weber, Wolfgang Warneke, Gothart Portloff, Uli Eichenberger, Ingeborg Bedermann, Johannes von Spallart, Otto Nebel, Franz Matter, Hans Christian Blech, Marianne Kehlau, Hans Helmut Dickow, Ursula Langrock, Lina Carstens, Heinz Schimmelpfennig, Friedrich von Bülow, Joseph Dahmen, Gisela Mattishent, Walter Hilsbecher, Herbert Stass, Irmgard Först, Antje Hagen, Leopold Biberti, u. v. a.

Kommissar Maigret kommt schon beim Treppensteigen aus der Puste und kann weder Auto fahren noch Schlösser knacken. Er überführt Verbrecher nicht durch Körpereinsatz und Logik, sondern durch Intuition und unerschütterliche Ruhe. Simenon hat mit dem Pfeife rauchenden und Cognac trinkenden Kommissar eine unsterbliche Figur geschaffen. Doch seine Non-Maigrets stehen den Maigret-Krimis in ihrer Scharfsichtigkeit in nichts nach. Ganz gleich, ob es um die Nöte eines Mafioso geht oder um den Giftanschlag auf einen Schürzenjäger: Simenon schaut hinter die Masken der Gesellschaft.

Die Box enthält:
Die Pfeife des Kommisar Maigret (DRS 1953
Maigret und der Minister (DRS 1958)
Die schwarze Kugel (SWF / WDR 1963)
Die Brüder Rico (SWF 1957)
Die Ehe der Bébé Donge (SWF 1955)

Veröffentlichung (Handel): 05.05.2017


Norbert Nackendick (Michael Ende) WDR 2008
Norbert Nackendick (Michael Ende) WDR 2008

WDR 2008

Regie: Angelie Backhausen

Bearbeitung: Ulla Illerhaus
Musik: Rainer Quade

Mit:
Erzähler: Konstantin Graudus
Norbert Nackendick: Helmut Krauss
Karlchen Klammerzeh: Rene Heinersdorff
Richard Rachenrau: Horst Mendroch
Ida Rüsselzart: Biggi Wanninger
Berthold Borstig: Martin Zuhr
Professeor Eusebius Schlammbohrer: Ernst August Schepmann
Greta Grausig: Anja Niederfahrenhorst
Herkules Hupf: Steffen Laube
Dolores Immerschon: Marylu Poolman
u. v. a.


Helmut Krauss, Bild: WDR/Sibylle Anneck

Das Nashorn Norbert Nackendick ist ein richtiges Ekel. Es vertreibt alle anderen Tiere von der Wasserstelle. Als selbst eine Konferenz der Tiere keine Lösung bringt und sogar der starke Löwe aufgibt, heckt ein mutiger kleiner Vogel einen schlauen Plan aus. In seiner Selbstgefälligkeit geht das Nashorn auf den Vorschlag des Vogels ein und macht sich selbst zum bewegungslosen Denkmal. Eine Fabel vom Scheitern durch blinde Selbstherrlichkeit und verblendete Eitelkeit.

hoerspielTIPPs.net:
(Zur CD-Ausgabe) Zwei sehr unterhaltsame und vor allem hintergründige Geschichten von Michael Ende hat hier der DAV aus den Archiven des WDR befreit.

Auch wenn hier nur die erste, Norbert Nackendick, auf dem Titel prangt, steht die zweite, „Die Geschichte von der Schüssel und vom Löffel“, dieser in nichts nach. Im Gegenteil: Allein aufgrund der erstklassigen Besetzung der Könige mit Wolfgang Völz und Ernst H. Hilbich ist hier der Unterhaltungswert sogar noch ein Stückchen größer.

Dabei können sich beide Besetzungen mehr als sehen lassen. Auch bei „Norbert Nackendick“ agieren erstklassige Sprecher und erweisen sich als Stimmakrobaten. Ein wenig uninspiriert ist zwar die Besetzung von Helmut Krauss als Norbert Nackendick, wobei er ohne Zweifel seine Sache gut macht. Richtig interessant wird es allerdings eher auf den hinteren Rängen, beispielsweise wenn Horst Mendroch als Löwe oder Biggi Wanninger als gewissenhafte Elefantendame ihren Einsatz haben.

Mit Unterstützung sehr passender Musikscores von Rainer Quade hat das Team um Regisseurin Angelie Backhausen die Geschichte in ein erstklassiges akustisches Ambiente gepackt.

In diesem Bereich liegt die Geschichte wiederum deutlich vor der zweiten, die zum einen zehn Jahre älter ist, zum anderen bietet natürlich auch das eher märchenhafte Thema weniger Möglichkeiten, hier akustisch zu brillieren. Dennoch schafft man es auch hier – insbesondere mit den – leider etwas kurzen – Musikstücken von Frederik Vahle eine stimmige Atmosphäre zu schaffen.

Zwei tolle Geschichten von Michael Ende, jede auf ihre Art erstklassig inszeniert, jede auf ihre Art absolut hörenswert. Diese beiden Produktionen haben mich wirklich erstklassig unterhalten!

Ursendung im Radio: 18.03.2008

Veröffentlichung (Download): 01.05.2017


Pidax Hörspiel-Klassiker / WDR-Kriminalhörspiel - Tödliche Proben (Thomas Andresen) WDR 1979 / Goldmann Primo 1997 / pidax 2017
Pidax Hörspiel-Klassiker / WDR-Kriminalhörspiel – Tödliche Proben (Thomas Andresen) WDR 1979 / Goldmann Primo 1997 / pidax 2017

WDR 1979 / Goldmann Primo 1997 / pidax 2017

Regie: Heinz Wilhelm Schwarz

Mit:
Petschuleit: Herbert Bötticher
Professor Elster: Alexander Kerst
Anette Molzen: Elfriede Irrall
Marie Molzen: Elisabeth Scherer
Professor Lund: Lothar Ostermann
Dr. Eckard Brandes: Matthias Ponnier
Schlowetter: Alwin Joachim Meyer
Monika: Ricarda Benndorf
Staatsanwalt: Werner Rundshagen
Schwester Dora: Annelie Jansen
Klara: Silva Springer
Bädecker: Michael Thomas
Karle: Peter Eschberg
Dr. Judith Brandes: Angelika Thomas

Nur durch einen Zufall kommt es ans Licht, daß auf der Station des Chefarztes Elster sechs Patienten bei der klinischen Erprobung eines neuen Herzmittels an einer falschen Dosierung gestorben sind. Der Zufall besteht darin, daß die Mutter der Journalistin Molzen während eines Klinikaufenthaltes die Tabletten nicht einnahm, sondern in einem Schächtelchen verschwinden ließ und sie später streng nach ärztlicher Vorschrift ihrem herzkranken Mann verabreichte. Als ihr Mann plötzlich an eben diesen Tabletten stirbt, gerät Frau Molzen unter Mordverdacht. Doch ihre Tochter will das nicht wahrhaben, recherchiert auf eigene Faust und kommt einem gefährlichen kriminellen Geflecht auf die Spur, in das nicht nur der Chefarzt verwickelt ist…

Ursendung im Radio: 15.12.1979

Veröffentlichung (Handel): 05.05.2017

Vorstellung im OhrCast


Schreckmümpfeli - Schreckmümpfeli (Irma Greber) DRS 1988
Schreckmümpfeli – Schreckmümpfeli (Irma Greber) DRS 1988

DRS 1988

Regie: Markus Köbeli
Technik: Helmut Dimmig

Mit:
Heinrich Beens, Frank Demenga, Klaus Hirche, Barbara Giesecke, Georges Weiss, Jodok Kobelt

Der schreckliche Schrecken

Veröffentlichung (Download): 01.05.2017


Sitara - Land der Sternenblumen (Karl May) BR 2017
Sitara – Land der Sternenblumen (Karl May) BR 2017

BR 2017

Regie: Michael Farin
Musik: Franz Hautzinger

Teil 1: Lichte Höhen
Arno Schmidt zählte Karl Mays Doppelroman Ardistan und Dschinnistan (1907/1909), wie überhaupt dessen späte Romane und dessen einziges Drama Babel und Bibel (1906), zu den „merkwürdigsten Werken deutscher Zunge“ und leitete aus ihm vielerlei und allerlei her. Seine Deutungen gipfelten in der grandios gescheiterten Studie Sitara und der Weg dorthin (1963). Wobei: auch Arno Schmidt kam vom Wege ab und verfehlte, ähnlich wie Karl May, sein selbst-gestecktes Ziel: „Jedenfalls ist es bei diesem Ardistan & Dschinnistan so, daß man sich bis zur letzten Zeile immer noch in Ardistan befindet, das ‚& Dschinnistan‘ ist Programm geblieben; ja selbst das ‚hochinteressante‘ Zwischenland Märdistan mit der ‚Geisterschmiede‘ muß man sich aus Babel und Bibel hinzukonstruieren.“ Dieser Doppelroman – ein Bündel aus zahlreichen losen Handlungsfäden, die sich selbst auf über 1.200 Seiten nicht verknüpfen und am Ende „im Winde flattern“ – erzählt auf der Folie des Märchens von der Spiegelerde Sitara, das für Karl May den Beginn seines „eigentlichen“, allerdings nie vollendeten Werks darstellt, von der letzten Reise des Kara Ben Nemsi. Er unternimmt sie im Auftrag seiner Freundin Marah Durimeh, um den drohenden Krieg zwischen Ardistan und Dschinnistan zu verhindern. (Was ihm im Übrigen gelingt!) Seine Reise führt ihn an die Grenzen Dschinnistans, aber auch an die Grenzen seines Ichs. Jenseits davon, so heißt es, liegen die Pforten des Paradieses. In diesen Jahren schrieb Karl May, das ist kein Zufall, zudem einen seiner aufregendsten Texte: die „psychologische Studie“ Frau Pollmer (1907) sowie seine Autobiographie Mein Leben und Streben (1910), die nicht grundlos mit dem „Märchen von Sitara“ beginnt. Ardistan und Dschinnistan lässt sich denn auch ohne weiteres als symbolistisch überhöhte, psychologisch-theologisch aufgeladene Selbstvergewisserung eines Autors deuten, der sich seinen Jenseitsvorstellungen, sie in eindrückliche Bilder transformierend, rückhaltlos auslieferte. „Hier sieht man May als das, was er ist: der bisher letzte Großmystiker unserer Literatur!“ Arno Schmidt in Dya na Sore.

Teil 2: Insel der Heiden

Im Dschirbani, dem „Räudigen“, der Hauptfigur des zweiten Teils des Hörspiels, sieht Arno Schmidt – neben Kara Ben Nemsi – ein weiteres Alter Ego Karl Mays. Der Wissenschaft gegenüber aufgeschlossen öffnet er sich dem Spirituellen, dem Transzendenten, wie niemand sonst im Roman: „Untersucht das Land, in dem wir wohnen! Was findet ihr weiter als Moder, Verwesung, Schimmel und Gestank! Und was findet ihr weiter als Leben, Schönheit, Kraft, Unsterblichkeit und Duft? Heut sage ich: Das Leben duftet, der Tod aber stinkt! Und morgen sage ich: Der Tod duftet, das Leben aber stinkt! … Was von beiden ist richtig? … Ich sage, beides! Denn Leben und Tod sind eins. Man kann nicht leben, ohne immerfort zu sterben. Und man kann nicht sterben, ohne dabei das Leben zu erneuern. Merke dir das, o Hadschi Halef Omar, daß du nicht an deinem letzten, sondern an deinem ersten Atemzuge stirbst! Du lebst, indem du ohne Unterlaß verwest. Aber du hast dafür zu sorgen, daß nicht etwa beide stinken, dein Leben sowohl wie dein Tod, sondern daß beide duften.“

Teil 3: Stadt der Toten

„Schön war sie gewesen, diese einstige Hauptstadt und Residenz von Ardistan! Wenn ich mir die seltsam gestalteten Höhen, zwischen denen sie lag, bewaldet und mit grünenden, blühenden Gärten ausgestattet dachte, so fiel mir keine europäische Großstadt ein, von der ich hätte sagen mögen, daß sie mit ihr zu vergleichen sei.
Nun lag sie da als Leiche! Es gab keine Spur von Pflanzengrün, von Tier- und Menschenleben. Und doch war der Ausdruck ‚Leiche‘ und ‚Tod‘ nicht ganz richtig. Es gibt überhaupt keine vollpassende, sprachliche Bezeichnung für das Gefühl, welches mich wie mit mächtigen, unwiderstehlichen Fäusten packte, als mein Blick auf dieses ungewöhnliche, starre, öde, leere Häusermeer fiel. Denn die Gebäude standen noch genau so da, wie sie vor Jahrhunderten gestanden hatten. Fast nichts war zerstört. Nur die weit draußen liegenden Hütten der Armut hatten sich in Trümmer, in formlose Haufen verwandelt.“
„Die fantastische Schilderung der ‚Totenstadt‘“, schreibt Arno Schmidt, ist „ein wirkliches Meisterstück, das eine wirre Kette unvergeßlicher Bilder vorführt.“

Teil 4: Marah Durimeh

Zweifelsohne, Marah Durimeh ist die geheimnisvollste Gestalt im Werk Karl Mays. Wie keine andere Figur durchgeistert sie sein Spätwerk … Sie ist die Herrin von Sitara, dem in Europa „fast gänzlich unbekannten Land der Sternenblumen“ … Herrscherin aus uraltem Königsgeschlecht … ist alterslos und weise … voller Würde … oder, mit den Worten Hadschi Halef Omars: „… kein gewöhnliches Weib; sie ist auch keine Königin. Sie ist ein Dschinni, eine Seele, ein Geist. Ja noch mehr: sie ist nicht nur Seele oder Geist, sondern sie ist die Herrin und die Gebieterin aller Seelen und aller Geister, die es gibt. Allah segne sie!“ Eigentlich hat mit ihr alles begonnen. Sie schickte Kara Ben Nemsi auf seine letzte Reise, auf jenem Segler namens „Wilahde“. Was nichts anderes heißt als Geburt. Und mit ihr wird alles enden, denn sie wird dort sein, wo er hinkommt. Weil der Anfang das Ende ist und das Ende der Anfang. Und sie wird es hören, wenn er aufsteht und sagt: „Hier. Hier bin ich.“

Sitara Seelenland – Vortrag, Augsburg 1909

Von jeher habe er ein Hakawati, ein Märchenerzähler, werden wollen, sagte Karl May am 8. Dezember 1909 anlässlich eines Vortrags, den er im Schießgrabensaal zu Augsburg hielt – und erzählte ein Märchen: Geht man drei Monate lang von der Erde aus direkt zur Sonne und dann noch drei Monate in genau derselben Richtung weiter, gelangt man zu einem Stern, von kleiner Gestalt zwar, für uns aber von großer Wichtigkeit, den man als Sitara bezeichnet. Sitara ist ein persisches Wort und bedeutet: Stern. Dieser Stern hat einen Durchmesser von etwa 1.700 Meilen und einen Umfang von 5.400 Meilen. Er bewegt sich in etwas über 365 Tagen einmal um die Sonne. Diese Zeit nennt man ein Jahr. Und in rund 24 Stunden einmal um sich selbst. Diese Zeit heißt ein Tag. Er besteht aus Land und Wasser. Das Land nimmt ein Drittel und das Wasser zwei Drittel der Oberfläche ein. Das Festland gruppiert sich in das Tiefland Ardistan und das Hochland Dschinnistan. Ard heißt Erde, heißt Erdboden, irdischer Stoff. Dschinn heißt Geist, heißt Seele. Das sei doch gar kein Märchen, sagen Sie. Wie recht Sie haben: Denn auf welchen Stern stoßen wir, wenn wir vom jetzigen Augenblick an 3 Monate lang auf die Sonne zugehen und dann noch 3 Monate lang in derselben Richtung über die Sonne hinaus? Auf die Erde. Sitara ist also nichts anderes als unsere Erde – mit dem Auge des Märchens betrachtet, das tiefer schaut als jedes andere Auge.

Ursendung im Radio: 03.05.2017

Veröffentlichung (Download): 03.05.2017


Vereinzelt etwas Nieselregen (Monika Buschey) WDR 2010
Vereinzelt etwas Nieselregen (Monika Buschey) WDR 2010

WDR 2010

Regie: Uwe Schareck

Mit:
Claus: Michael Wittenborn
Robert: Matthias Brandt
Holger: Siegfried W. Kernen
Bettina: Irina Wanka
Sylvia: Inga Busch
Hanna: Anna Maria Mühe
Herbert: Martin Bross
Polizist: Meinhard Zanger
Arzt: Folker Banik
u. v. a.


Matthias Brandt; Bild: WDR / Sibylle Anneck

Niemand kann begreifen, dass Claus Geldner, hoch geschätzter Reporter bei einer Ruhrgebietszeitung, einen ihm persönlich unbekannten Mann in einer Art schizophrenem Schub zu Tode gewürgt hat. Nach mehreren Monaten in der Psychiatrie begeht er Selbstmord. Sein langjähriger Kollege Robert macht es sich zur Aufgabe, alle mit Claus verbundenen Menschen aufzusuchen, in der Hoffnung, dem ungeheuerlichen Geschehen auf die Spur zu kommen. Die Selbsterklärungen des Täters, geschickt verschachtelt mit den Berichten der verschiedenen Personen seiner Umgebung, werden zu einer sensiblen Chronik der Ereignisse. Eine vorsichtige Annäherung an das komplexe Thema der Schizophrenie.

hoerspielTIPPs.net:
Das Hörspiel lässt sich zunächst ein wenig spröde an. Es dauert, bis die Geschichte Interesse weckt und auch das Format beim Hörer ankommt. Aber je mehr man aus den einzelnen Aussagen aus der Umgebung des Selbstmörders hört, desto mehr fesselt die Geschichte.

Hier wird das Bild nur bedingt klarer. Je mehr man über den Reporter Geldner erfährt, desto deutlicher wird sein vordergründiges Leben. Das „Dahinter“, das, was ihn zum Mörder und letztlich auch Selbstmörder werden ließ, sowie die Diskrepanz dazwischen, bleibt unerklärlich. Das Hörspiel versucht auch gar nicht, dies aufzulösen, es beschreibt den Umstand und versucht ansonsten nur mögliche Motive darzulegen.

Die Beschreibungen werden hauptsächlich in Aussagen Einzelner, die den Lebenskreis Claus Geldners berührten, getätigt. Oft geschieht das in monologartigen Schilderungen, die durch kleinere einführende Dialoge aufgelockert werden. Damit schafft man eine fortlaufende und strukturierte Erzählform.

Transportiert wird dies von einem tollen Ensemble, das mit Matthias Brandt eine erstklassige Besetzung für die Hauptrolle ausweist. Daneben sollte man auch die Leistung von Anna Maria Mühe, die ja leider eher selten in Hörspielen zu hören ist, herausstellen.

Auch, wenn die Geschichte auf den ersten Blick zu sperrig wirkt, fesselt sie den Hörer von Spielminute zu Spielminute immer mehr. Nicht jedes Ohr wird den Weg bis zum Ende finden, wer aber gern etwas abseits der gewohnten Hörspielwege mag, der sollte hier durchaus mal reinhören.

Ursendung im Radio: 13.11.2010

Veröffentlichung (Download): 29.04.2017


Wayne McLair (3) Der Revolvermann Teil 2 - maritim 2017
Wayne McLair (3) Der Revolvermann Teil 2 – maritim 2017

maritim 2017

Mit:
Felix Würgler, Paul Burghardt, u. v. a.

Die Ereignisse spitzen sich zu: Wayne McLair und Aidan Quinn werden beide von ‘Big Boss’ Slypher gefangen gehalten. Und dessen Handlanger Riley kann es gar nicht erwarten, seinen Widersacher endlich loszuwerden. Doch auch Inspector O’Neill mischt sich in die Angelegenheit ein und bringt das brodelnde Fass letztlich zum überkochen. Kann unser Meisterdieb sich daraus befreien?

Veröffentlichung (Handel / Download): 29.04.2017


Den kompletten Überblick über alle aktuellen Hörspielneuerscheinungen findet ihr im OhrCast:

Eine Übersicht über die kommenden Hörspielveröffentlichungen findet ihr hier.

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