Fünf Tage für das Hörspiel

SÜDWESTRUNDFUNK ARD Hörspieltage - 09. bis 13. November 2016 in ZKM und HFG/Karlsruhe Logo © SWR, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im Rahmen einer engen, unternehmensbezogenen Berichterstattung im SWR-Zusammenhang bei Nennung: "Bild: SWR" (S2 ). SWR-Presse/Fotoredaktion, Tel. 07221/929-22453, foto@swr.de.Vom 9. bis 13. November fanden in Karlsruhe die ARD-Hörspieltage statt.

In mittlerweile gewohnter Kulisse fanden vom 9. bis 13. November 2016 in Karlsruhe zum 13. Mal die ARD-Hörspieltage statt. Fünf Tage rund ums (Radio-)Hörspiel standen auf dem Plan, der in den bewährten Händen des SWR auch perfekt umgesetzt wurde.

In den ersten vier Tagen waren meist die erwachsenen Hörer das Zielpublikum. Von Mittwoch bis Samstag wurden Hörspiele aus den verschiedenen Wettbewerben vorgestellt, neue Ideen präsentiert, Live-Hörspiele aufgeführt und vieles mehr. Am Sonntag standen dann am Kinderhörspieltag die Jüngeren im Mittelpunkt.

Sechs Preise für das Hörspiel in der „Nacht der Gewinner“

Zentraler Punkt war die Ausrichtung des „Deutschen Hörspielpreises der ARD“. Zwölf nominierte Stücke, neun von den ARD-Rundfunkanstalten, eine von Deutschlandradio Kultur und erstmals je eine von den neuen Partnersendern SRF und ORF wurden eingereicht. Damit bildet der Wettbewerb erstmals das gesamte deutschsprachige, fürs Radio produzierte Hörspiel ab. Die Produktionen standen auch für den Publikumspreis, dem „ARD-Online-Award“ zur Wahl, für den die Hörer auch bei den Hörspieltagen selbst abstimmen konnten.

Über den „Deutschen Hörspielpreis“ entschied eine Jury aus fünf Vertretern aus verschiedenen Bereichen des Kulturbetriebs. Den Vorsitz führte Hermann Beil, Theater-Dramaturg, Regisseur, Autor und bis zu diesem Jahr Präsident der Akademie der Darstellenden Künste. Im zur Seite standen Oliver Bukowski, Dramatiker, Hörspielautor und Dozent, Prof. Dr. Wolfgang Engler, Hochschullehrer für Kunstsoziologie und Ästhetik, Prof. Dr. Elisabeth Schweeger, Kuratorin, Kulturmanagerin und Intendantin, sowie Elena Zieser, freie Hörspielregisseurin.

Jury und Publikum konnten vom Mittwochabend bis Samstagnachmittag diese zwölf Produktionen hören und bewerten:

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 von Frank Witzel (BR)
Pan Familia von David Lindemann (DKultur)
Tower of Babel von Robert Wilson (HR)
Die meisten Afrikaner können nicht schwimmen von Holger Böhme (MDR)
Fatima von Atiha Sen Gupta, Hörspielbearbeitung: Heike Tauch (NDR)
Die Juden, von Gotthold Ephraim Lessing, Bearbeitung: Leonhard Koppelmann (ORF)
Wasserspiele – Der Kreuzfahrer / Die Vorschwimmerin von John von Düffel (RB)
Ich dachte, in Europa stirbt man nie, Idee und Konzept: Sarah Schreier (RBB)
Unter W@sser von Jean-François Guilbault und Andréanne Joubert (SR)
Frau Higgins – Anstelle von Erinnerung von Jens Nielsen (SRF)
Dshan von Lothar Trolle, Funkeinrichtung: Walter Adler (SWR)
Screener von Lucas Derycke (WDR)

Alle Hörspiele wurden – im Beisein der Jury – öffentlich vorgeführt. Im Anschluss diskutierte die Jury über die Produktion. Danach stellten sich Autoren, Produzenten und / oder Dramaturgen in einem Panel den Fragen von Moderator und Publikum.

Am Beispiel des Hörspiels „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ kann man das hier einmal nachvollziehen:

Hier zunächst das Hörspiel aus dem Hörspielpool von Bayern2

Die sich anschließende Diskussion der Jury kann man hier nachhören:

Die Jury bei der Diskussion über "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion..." - v. l. n. r. Prof. Dr. Wolfgang Engler, Elena Zieser, Vorsitzender Hermann Beil, Prof. Dr. Elisabeth Schweeger und Oliver Bukowski: Bild: hoerspieltipps.net

Die Jury bei der Diskussion über „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion…“ – v. l. n. r. Prof. Dr. Wolfgang Engler, Elena Zieser, Vorsitzender Hermann Beil, Prof. Dr. Elisabeth Schweeger und Oliver Bukowski: Bild: hoerspieltipps.net

Danach gab es das Panel in dem Autor Frank Witzel, Regisseur Leonhard Koppelmann und Dramaturgin Katharina Agathos über das Hörspiel und dessen Entstehung sprachen:

Das Panel mit (v. l. n. r. ) Dramaturgin Katharina Agathos (BR), Autor Frank Witzel und Regisseur Leonhard Koppelmann; Bild: hoerspieltipps.net

Das Panel mit (v. l. n. r. ) Dramaturgin Katharina Agathos (BR), Autor Frank Witzel und Regisseur Leonhard Koppelmann; Bild: hoerspieltipps.net

Verliehen wurden diese Preise in der „Nacht der Gewinner“ am 12. November 2016, die auch live im Radio und per Stream übertragen wurde.

Während das Publikum im ARD-Online-Award die WDR-Produktion „Screener“ als Gewinner auserkor und damit das Preisgeld i. H. v. 2.500 € dem belgischen Autor und Regisseur des Stückes Lukas Derycke zuprach, ging die Jury erwartbar einen anderen Weg und zeichnete „Tower of Babel“ und damit Robert Wilson aus, der sich über das doppelte Preisgeld freuen darf. Die hr-Produktion wurde im Rahmen des „Bibelprojekts“ erstellt und ist mit den anderen zwanzig Produktionen dieser Reihe seit kurzem beim Hörverlag erhältlich.

Hannah Georgi (Mitte), verantwortiche Redakteurin des WDR für das Hörspiel "Screener" nahm die Auszeichnung für Lukas Derycke entgegen. Die Auszeichnung überreichte Heinz Sommer, Hörfunkdirektor des hr (rechts). Links im Bild Moderatorin Ute Soldierer; Bild: hoerspieltipps.net

Hannah Georgi (Mitte), verantwortiche Redakteurin des WDR für das Hörspiel „Screener“ nahm die Auszeichnung für Lukas Derycke entgegen. Die Auszeichnung überreichte Heinz Sommer, Hörfunkdirektor des hr (rechts). Links im Bild: Moderatorin Ute Soldierer; Bild: hoerspieltipps.net

Aus den Händen von Jury-Vorsitzendem Hermann Beil (rechts) empfingen die verantwortliche hr2-Redakteurin und Dramaturgin Ursula Ruppel (2. v. l. )und Co-Regisseur Tilmann Hecker (2. v. r.) die Trophäe für den "Deutschen Hörspielpreis"; Bild: hoerspieltipps.net

Aus den Händen von Jury-Vorsitzendem Hermann Beil (rechts) empfingen die verantwortliche hr2-Redakteurin und Dramaturgin Ursula Ruppel (2. v. l. )und Co-Regisseur Tilmann Hecker (2. v. r.) die Trophäe für den „Deutschen Hörspielpreis“; Bild: hoerspieltipps.net

Auch der Nachwuchs hat einen eigenen Wettbewerb – den ARD-PiNball. Hörspiele, die außerhalb des öffentlichen Rundfunks produziert wurden, konnten hieran teilnehmen. Fünf Hörspiele kamen in die engere Wahl:

Routine von Christoph Collenberg
Structures of Nature von Martin Gerikg
Die Lücke von Tom Heithoff
Ein Würstchen von Mara Ittel
Die mit Dinkel von Vivien Schütz

Von einer namentlich nicht bekannten Jury aus Hörspieldramaturgen der ARD, Mitarbeitern des ZKM und der HfG Karlsruhe wurden diese fünf Produktionen aus den Einsendungen ausgewählt. Ausgezeichnet mit Titel, Trophäe und einem Preisgeld von 1000 Euro wurden diesmal gleich zwei Produktionen „Das Würstchen“ von Mara Ittel und „Die mit Dinkel“ von Vivien Schütz.

Dr. Wolfgang Gushurst, Programmchef SWR DASDING (rechts), übergab den Preis des ARD PiNball an Mara Ittel (Mitte). Bild: hoerspieltipps.net

Dr. Wolfgang Gushurst, Programmchef SWR DASDING (rechts), übergab den Preis des ARD PiNball an Mara Ittel (Mitte). Bild: hoerspieltipps.net

Vivien Schütz - Gewinnerinnen des ARD PiNballs für "Die mit Dinkel" - konnte leider nicht vor Ort sein, bedankte sich aber per Videogruß; Bild: hoerspieltipps.net

Vivien Schütz – Gewinnerinnen des ARD PiNballs für „Die mit Dinkel“ – konnte leider nicht vor Ort sein, bedankte sich aber per Videogruß; Bild: hoerspieltipps.net

Erstmals in diesem Jahr wurde auch die beste schauspielerische Leistung mit einem eigenen „Deutschen Hörspielpreis“ ausgezeichnet. Die Nominierten waren vielfach deckungsgleich mit denjenigen des ARD-online-Awards bzw. Deutschen Hörspielpreis

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 von Frank Witzel (BR)
Eugénie Grandet nach Honoré de Balzac (DKultur)
Radiotatort – Rote Wasser von Friedemann Schulz (HR)
Augusto, der Richter von Ingo Schulze (MDR)
Der gute Trinker von Gerhard Naujoks (NDR)
Kaiser Joseph II. und die Bahnwärterstochter nach Fritz v. Herzmanovsky-Orlando (ORF)
Wasserspiele – Der Kreuzfahrer / Die Vorschwimmerin von John von Düffel (RB)
Mein Herz von Else Lasker-Schüler (RBB)
Unter W@sser von Jean-François Guilbault und Andréanne Joubert (SR)
Frau Higgins – Anstelle von Erinnerung von Jens Nielsen (SRF)
Der Speermann von Stephan Krass (SWR)
Manifest 49 – Draußen unter freiem Himmel von FALKNER (WDR)

Die Jury, die nur aus einer Person, der Schauspielerin Corinna Harfouch, bestand, votierte hier für Birte Schnöink und Christian Löber („Manifest 49 – Draußen unter freiem Himmel“ von FALKNER), die sich auch über ein Preisgeld von 3000 Euro freuen dürfen.

Während Christian Löber an diesem Abend auf der Theaterbühne stand und somit verhindert war, nahm Birte Schnöink (rechts) den Preis für die "Beste schauspielerische Leistung" entgegen. Bild: hoerspieltipps.net

Während Christian Löber an diesem Abend auf der Theaterbühne stand und somit verhindert war, nahm Birte Schnöink (rechts) den Preis für die „Beste schauspielerische Leistung“ entgegen. Bild: hoerspieltipps.net

Auch für Hörspiele, die sich an ein jüngeres Publikum richteten, waren Hörspielpreise auserkoren: Der Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe und der „Deutsche Kinderhörspielpreis“. Erster wurde von der vierten Klasse der Grundschule Daxlanden vergeben, für letzteren fand sich eine andere Art von Experten-Jury unter dem Vorsitzenden Frank Olbert (Stv. Feuilletonchef des Kölner Stadt-Anzeigers), der Dramaturgin und Autorin Kerstin Behrens, Theaterregisseur, Musiker und Autor Torsten Krug, Journalistin Dr. Eva-Maria Lenz und Produzentin und Autorin Karin Lorenz zusammen.

Nominiert für beide Preise waren
Die Grimms und der gestiefelte Kater von Christian Gaillus (BR)
Gib’s zurück von Silke Seibold (SWR)
Als nicht nur Opas Knie verschwand von Sabine Ludwig (rbb)
Superflashboy von Salah Naoura (hr / NDR)
Märchenkuddelmuddel – Wohnung frei im Märchenland von Helmut Peters (NDR)
Wenn Pinguine fliegen von Sarah Trilsch (DKultur)

Während sich die Vertreter der eigentichen Zielgruppe mit deutlicher Mehrheit für das Hörspiel „Superflashboy“ entschieden, wählte die „Experten-Jury“ das Hörspiel „Gib’s zurück“ zum Preisträgerstück. Beide Preise sind dotiert, neben der Trophäe darf sich Silke Seibold über 5000 Euro freuen, Salah Naoura erhält von der Stadt Karlsruhe ein Preisgeld von 2000 Euro.

Gudrun Hartmann, Dramaturgin des Stücks "Superflashboy" nahm den "Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe aus den Händen vom Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup entgegen, der auch ein Foto der Hörspieljuroren dabei hatte. Bild: hoerspieltipps.net

Gudrun Hartmann, Dramaturgin des Stücks „Superflashboy“ nahm den „Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe aus den Händen vom Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup entgegen, der auch ein Foto der Hörspieljuroren dabei hatte. Bild: hoerspieltipps.net

Silke Seibold nahm den "Deutschen Kinderhörspielpreis" aus den Händen von Andreas Fröhlich entgegen: Bild: hoerspieltipps.net

Silke Seibold nahm den „Deutschen Kinderhörspielpreis“ aus den Händen von Andreas Fröhlich entgegen: Bild: hoerspieltipps.net

Die Verleihungsveranstaltung war aufgrund der Vielzahl von Preisen und Preisträgern prall gefüllt. Moderatorin Ute Soldierer führte trotz der Fülle entspannt durch den Abend, der durch einige musikalische Einlagen der Singer/Songwriterin Elen und Band augelockert wurden.

Mehr als nur Wettbewerb

Auf den ARD Hörspieltagen ging es aber um mehr, als nur dem Wettbewerb. Ein großes Rahmenprogramm, das  – nicht zwingend, aber auch – dem Hörspiel eine Bühne bot.

Verdacht erschien 2014 auch als Studioversion in 3D-Stereophonie bei Hörbuch Hamburg

Verdacht erschien 2014 auch als Studioversion in 3D-Stereophonie bei Hörbuch Hamburg

Heraus ragte da die beiden Aufführungen der Produktion „Verdacht“, einem Live-Hörspiel das durch den gleichnamigen Film von Alfred Hitchcock Bekanntheit erlangt. Regisseurin und Bearbeiterin Regine Ahrem hat das Stück aus der Feder von Francis Iles im Jahr 2013 für den rbb als Studiohörspiel inszeniert. Sie betreut aber bereits seit 2001 die Reihe „Hollywood on Air“, in der u. a. die verschollenen geglaubten Hörspiele der Reihe „Time for Love“ restauriert und digitalisiert wurden. Auf diese Weise fanden einige Klassiker ihren Weg zurück ins Radio. „Verdacht“ wurde 2014 auch als Live-Hörspiel gefasst und in Berlin und Wien zur Aufführung gebracht.

Hollywood on Air: Verdacht – Der Trailer zum Live-Hörspiel

Das „Berliner“ Ensemble Chris Pichler, Max Volkert Martens, Gerd Wameling, Eva Weissenborn sowie Musiker Mark Scheibe und Geräuschemacher Peter Sandmann waren am 10. und 11. November nun auch auf der Bühne des ZKM Medientheaters in Karlsruhe zu sehen.

Keine technischen Kniffe, alles was auf ins Ohr und Auge des Publikums drang, war handgemacht und wurde mit einem verdienten, tosenden Abschlussapplaus bedacht.

Das Ensemble von "Verdacht" in Karlsruhe: Musiker Mark Scheibe, Eva Weissenborn, Max Voker Martens, Chris Pichler, Gerd Wameling und Geräuschemacher Peter Sandmann; Bild: hoerspieltipps.net

Das Ensemble von „Verdacht“ in Karlsruhe: Musiker Mark Scheibe, Eva Weissenborn, Max Voker Martens, Chris Pichler, Gerd Wameling und Geräuschemacher Peter Sandmann; Bild: hoerspieltipps.net

Regisseurin Julia Glauss und Innovationsexperte Dominik Born stellen das Projekt "Data Saugus Rex" vor; Bild: hoerspieltipps.net

Regisseurin Julia Glauss und Innovationsexperte Dominik Born stellen das Projekt „Data Saugus Rex“ vor; Bild: hoerspieltipps.net

Der SRF, nicht nur erstmals Gast, sondern auch gleich zusammen mit dem SWR mitverantwortlich für die Koordination, hatte auch eine interessante Veranstaltung zu bieten: Julia Glauss stellte mit ihrem Team das Projekt „Operation Data Saugus Rex“ vor, ein interaktives Hörspiel, bei dem der Hörer via Telefon eine Agentin begleitet, die das außer Kontrolle geratene Ordnungsprogramm „Data Saugus Rex“ stoppen soll. Ein Hörspiel-Game fürs Ohr, speziell fürs Telefon produziert, das durch dieses Medium auch eine besondere Intensität genießt.

Das Publikum genoß den Live-Versuch mit Abstimmgeräten und lenkte die Protagonistin gleich in eine fatale Sackgasse – einem von 14 möglichen Enden der Geschichte.

 

Beide Produktionen, „Verdacht“ und „Data Saugus Rex“ werden wir hier im Blog bzw. im OhrCast demnächst noch weiter vorstellen.

Zum Abschluss: Der Kinderhörspieltag

Der letzte Tag gehörte wie gewohnt den jüngsten Hörern. Auch wenn die Preise schon vergeben waren, konnte man alle nominierten  – und viele andere – Produktionen noch einmal hören, die Musik der „Rotzgören“ genießen oder beim zentralen Event des Tages, dem Live-Hörspiel sich unterhalten lassen.

In diesem Jahre gab es wieder etwas von Otfried Preußler zu sehen und hören. „Die kleine Hexe“ wurde von Uta Maria Heim für die Bühne neu gefasst und mit der Musik von Bernd Keul und Band auf eben diese gebracht. Als Schauspieler agierten Sonja Stein in der Titelrolle, Monty Arnold als Rabe Abraxas sowie Gabriele Blum, Katja Brügger, Dietrich Hollinderbäumer, Alexis Kara und Ilono Schulz. Die Live-Geräuschkulisse erzeugte Amadeus Bodis, die Regie hatte Hans Helge Ott.

Auschnitt aus dem Live-Hörspiel "Die kleine Hexe"; Bild: SWR

Auschnitt aus dem Live-Hörspiel „Die kleine Hexe“; Bild: SWR

Das Live-Hörspiel wurde zeitleich von den beteiligten Rundfunkanstalten live übertragen und kann in der ARD Mediathek bis November 2017 noch erlebt werden.

Die ARD Hörspieltage 2016 – ein Fazit

Die ARD Hörspieltage sind eine großartige Plattform für das Radiohörspiel. Fünf Tage lang wird das Medium in seiner aktuellen Form präsentiert. Hörer bekommen einen Einblick in die Vielfalt dieser kleinen, aber feinen Nische und lassen sich – auch durch das genreübergreifende Rahmenprogramm – für das Genre begeistern. Auch und gerade junge Hörer werden sonntags umworben. Erfolgreich, wie die Besucherzahlen zeigen, die deutlich über dem liegen, was die Erwachsenen an den anderen Tagen erreichen.

Panel zum Hörspiel "Dshan" mit Walter Adler (m) und Lothar Trolle (r); Bild: hoerspieltipps.net

Panel zum Hörspiel „Dshan“ mit Regisseur Walter Adler (m) und Autor Lothar Trolle (r); Bild: hoerspieltipps.net

Es wurden viele großartige Hörspiele zu Gehör gebracht, interessante Einblicke in Panels und den Jury-Diskussionen gewährt und insgesamt dem Radiohörspiel eine werbeträchtige Bühne geboten. Auch die Möglichkeit des direkten Austauschs mit den Machern, die im Radio eher die Ausnahme ist, sind ein wichtiger Aspekt dieser Veranstaltung.

Auch ich habe mich über diese Veranstaltung gefreut und fühlte mich als Radiohörspiel-Hörer hier gut aufgehoben und bedient. Aber ich bin ja nicht nur Radio-, sondern Hörspiel-Hörer und versuche durch meine Arbeit immer wieder die Grenzen zwischen den Produktionsarten „Radio“ und „Freie“ einzureißen, da beide Ihren Reiz haben. In den letzten Jahren hat sich hier viel getan. Einige Sender eignen sich Themen der Freien Szene an, einige freie Macher nähern sich stilistisch und qualitativ dem Radiohörspiel.

Schritte in die Richtung unternimmt man bei den Hörspieltagen auch, in dem man zeigt, dass ein Hörspiel unterhaltsam UND anspruchsvoll sein kann (wie „Verdacht“) oder sogar obendrein noch innovativ (wie „Operation Data Saugus Rex“). Auch im Kinderhörspiel funktioniert der Spagat gut.

Es hakt allerdings noch bei den Preisen. Hier schmort man für meinen Geschmack zu sehr im eigenen Saft. Der „Deutsche Hörspielpreis“ ist vorhersehbar – nicht im Punkt, wer gewinnt, aber in dem, wer ihn nicht bekommt. Das wissen die Sender und reichen natürlich meist das ein, was auch reelle Chancen hat. Insofern ist die Bandbreite der Produktionen, die ohnehin nur einen eher schmalen Ausschnitt des öffentlich-rechtlichen Hörspielschaffens darstellt, in der entscheidenden Auswahl letztlich nicht sonderlich groß.

Es wäre schöner, wenn die Wettbewerbe offener gestaltet würden, die Besetzung der Jury meinungsvielfältiger, und so die Ergebnisse weniger verkopft und griffiger wären. Es würde dem Hörspiel-Genre noch mehr nützen.

Dass die Kritik jetzt im Fazit länger ausfällt, als das Lob, ist dem Umstand geschuldet, dass man letzteres nicht so umfassend erklären muss. Die Kritik war zudem in den letzten Jahren ähnlich und man darf den ARD-Hörspieltagen zu Gute halten, dass hier schon Schritte in die richtige Richtung unternommen wurden. Kleine Schritte vielleicht, aber auch mit diesen bringt man ja schon ein Stück Weg hinter sich.

Ich bin auch gerne wieder im kommenden Jahr dabei und freue mich auf einige unterhaltsame und anregende Hörspieltage in Karlsruhe.

Infos zu den Hörspieltagen im Netz mit Bildern, der Möglichkeit Hörspiele nachzuhören, Interviews und vielem mehr findet man bei der ARD.

Die nächsten ARD Hörspieltage finden vom 8. bis 12. November 2017 im ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe statt.

 

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