Sinnhafte Gewaltkriminalität aus Hamm

radiotatortDer Radiotatort „Calibra oder Die Geißel Gottes“ von Dirk Schmidt

Ein Opel Calibra, nein, nicht irgendein Opel Calibra, sondern einer der sieben letzten, die vom Band gelaufen sind, wird jetzt von Latotzke gefahren. Einst gehörte der giftgrüne Flitzer Igor „Jabo“ Jabontschek, doch als dieser in den Bau wanderte, kam er irgendwie zum besagtem Mitarbeiter der Hammer Kripo. Jetzt ist Jabo wieder auf freiem Fuß – und begibt sich auf einen Rachefeldzug. Auf seiner Todo-Liste steht auch der Rennhobel aus Rüsselsheim. DerCoup gelingt und Latotzke muss seinem fahrbaren Untersatz hinterherlaufen – Atemlos durch die Nacht…

Yvon Jansen, Mathhias Leja und Wolfgang Rüter; Bild: WDR/Freya Hattenberger

Yvon Jansen, Mathhias Leja und Wolfgang Rüter; Bild: WDR/Freya Hattenberger

Dat ist nich‘ allet so, wie dat den Anschein hat

Derweil tummelt sich Lenz als Lanz in einer Selbsthilfegruppe anonymer Alkoholiker – Will er tatsächlich vom Suff loskommen? Seine Beweggründe bleiben zunächst im Dunkeln und offenbaren sich erst zum Ende hin. Bis dahin darf man sich aber an Lenz’/Lanz‘ glänzenden Weg von einem Fettnapf zum nächsten erfreuen.

Sinnhafte Gewaltkriminalität

Die „Task Force Hamm“ ein Auffangbecken anderswo unbrauchbar gewordener Polizeibeamter sorgt wieder einmal für einen höchst unterhaltsamen Radiotatort. Trotz bekanntem Aufhänger – Der Rückkehr eines Knackis samt offener Rechnung – gelingt Dirk Schmidt – dank der schrulligen Charaktere – ein hörenswerter Klamauk. Der Krimi gerät zur Nebensache, überrascht aber dennoch mit einem Abschluss in gleich zwei Fällen.

Der SEK-Polizist (Jörg Kernbach) hat 2 Mal die Tür des Fluchtwagens getroffen. Zu dumm, dass es sich um den heißgeliebten Calibra von Latotzke (Sönke Möring, l) handelt. Er ist außer sich und brüllt den Polizisten an; Bild: WDR/Freya Hattenberger

Der SEK-Polizist (Jörg Kernbach) hat 2 Mal die Tür des Fluchtwagens getroffen. Zu dumm, dass es sich um den heißgeliebten Calibra von Latotzke (Sönke Möring, l) handelt. Er ist außer sich und brüllt den Polizisten an; Bild: WDR/Freya Hattenberger

Der große Vorteil dieser Produktion ist die filmische Inszenierung, in der – wie bei den Radiotatorten des WDR üblich – wenig im Studio und viel in adäquaten Umgebungen im Ensemble gespielt wird. Das wirkt höchst lebendig und glaubwürdig.

Diese Art der Umsetzung und die schrägen Figuren, die Dirk Schmidt aufeinanderprallen lässt, schieben den Inhalt in die zweite (oder dritte, vierte) Reihe. Das taugt nicht für jeden Krimi, aber als besonderer Farbtupfer im Radiotatort funktioniert es exzellent.

Vorderbäumen (Hans-Peter Hallwachs) testet den Funkverkehr mit dem Polizist (Sascha Tschorn, l); Bild: WDR/Freya Hattenberger

Vorderbäumen (Hans-Peter Hallwachs) testet den Funkverkehr mit dem Polizist (Sascha Tschorn, l); Bild: WDR/Freya Hattenberger

Der Radiotatort „Calibra oder Die Geißel Gottes“ ist vom 13. bis 18. August auf den Wort- und Kulturwellen der ARD zu hören. Anschließend steht er vier Wochen lang zum kostenlosen Download auf radiotatort.de zur Verfügung. Dort findet sich auch ein Making of-Video zu dieser Produktion.


Radiotatort 79
Calibra oder Die Geißel Gottes
von Dirk Schmidt

Regie: Claudia Johanna Leist
WDR 2014
50 Min.

Mit:

Erich Wingert (Ralf Richter) werden nach der Vernehmung die Handschellen angelegt; Bild: WDR/Freya Hattenberger

Erich Wingert (Ralf Richter) werden nach der Vernehmung die Handschellen angelegt; Bild: WDR/Freya Hattenberger

Scholz: Uwe Ochsenknecht
Lenz: Matthias Leja
Latotzke: Sönke Möhring
Vorderbäumen: Hans Peter Hallwachs
Lena: Yvon Jansen
Günther: Wolfgang Rüter
Marvin: Robert Dölle
Erich Wingert: Ralf Richter
Polizisten: Tom Jacobs, Sascha Tschorn
Jabo: Dimitri Bilov
Tjien-Liu: Sigrid Burkholder
sowie Jörg Kernbach, Georg Bühren u. v. a.

Matthias Leja und Uwe Ochsenknecht verhaften ihren Dramaturgen Georg; Bild: WDR/Freya Hattenberger

Matthias Leja und Uwe Ochsenknecht verhaften ihren Dramaturgen Georg; Bild: WDR/Freya Hattenberger

Als Igor Jabontschek nach fünf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, ist in Hamm nichts mehr wie es war. Kaum auf freiem Fuß, startet »Jabo« einen Rachefeldzug, der die Stadt in Angst und Schrecken versetzt und auch an Latotzke nicht spurlos vorübergeht. Bedauerlicherweise haben die Kollegen Scholz und Lenz gerade andere Sorgen und die Gefahr, die von Jabo ausgeht, zunächst unterschätzt. Ein schwerer Fehler, der dazu führt, dass die Task Force Hamm Mühe hat, im Strudel der Ereignisse auf Kurs zu bleiben.

Dirk Schmidt, geboren 1964 in Essen, studierte Geschichte, Germanistik und Filmwissenschaft in Bonn und arbeitete als Lektor, Drehbuchautor und in der Werbung. Er lebt, nach Stationen in München, New York und Hamburg wieder in Essen und schreibt Kriminalromane und Hörspiele.

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