Krimi–Ursendung am 14. April 2014: „Tuber Letalis“

RadiotippMit der „Tödlichen Knolle“ legt Christian Hussel einen weiteren Krimi für Deutschlandradio Kultur vor. Wie in letzter Zeit häufiger, drehen sich die dortigen Ursendungen immer auch ein wenig ums leibliche Wohl – eine Art Krimi-gewordene Kochshow. Diesmal bietet man einen „Whodunnit“-Fall mit einer überschaubaren Anzahl von Verdächtigen, der aber verworren genug bleibt, um den Hörer diesbezüglich über die Radiostunde bei Laune zu halten. Zumindest, wenn man den eigenwilligen Humor mag…

Als Protagonist muss Kripo-Azubi Zweier herhalten. Ein älteres Semester, der sich von Weiterbildungsmaßnahme zu Weiterbildungsmaßnahme hangelt und nunmehr bei der Kripo gelandet ist. Da seine Chefin im Krankenhaus weilt, darf er gleich seinen ersten Fall bearbeiten, zu dessen Tatort er allerdings zwei Stunden mit dem dienstlichen E-Bike – ein Dienstwagen ist für ihn nicht vorgesehen – fahren muss. Dort befindet sich eine Leiche, ein italienischer Experte für Trüffeln. Vor seinem Tod speiste er im ca. 10 Kilometer entfernten Landgasthof – natürlich ein Trüffelgericht.

Aushilfskommissar Zweier macht sich zusammen mit Rechtsmediziner Scherenschleifer und dem Ex-Verkehrspolizisten Krause auf die Jagd nach dem Täter.

Allein die sehr sonderbaren Rahmenbedingungen versprechen einen heiter bis skurrilen Krimi. Tatsächlich darf man hier die Figuren nicht hinterfragen, schon gar nicht in Punkto Realismus. Trotz humoriger Kulisse und schrägem Figurenkabinett, ist der Fall an sich eher bieder. So richtig wollen Format und Inhalt nicht zueinander finden. Zwar versucht man, ein wenig Humoriges im Fall einzubauen, in dem man beispielsweise ein Hausschwein und einen Hund unter die Opfer mischt. Das funktioniert aber nur bedingt, da dies zunächst nur als weitere Schrulle wahrgenommen wird.

Humor ist ein schwieriges Geschäft. Hier den Nerv der Hörer zu treffen, ist nicht gerade einfach. Bei mir ging es diesmal leider daneben. In den schrägen Rahmenbedingungen wirkt der Fall an sich deplatziert, da das Gefälle einfach zu groß ist. Der Humor wirkt zu gewollt und nimmt dem eigentlich soliden Fall ein wenig aus dem Fokus. Die Rahmenbedingungen sind hier deutlich nachhaltiger als die inhaltliche Relevanz des Krimis. So bleibt etwas verborgen, dass dem Fall ein wenig die Originalität abgeht. Daher hält sich auch, wenn man die Humor-Frage außen vor lässt, die Begeisterung in Grenzen.

So wie die Pilze im Krimi die Qualität der Alba-Trüffeln nicht erreichen, ist „Tuber Letalis“ ein Krimi, der leider an die gewohnte Klasse der DRadio-Krimis nicht ganz herankommt.

„Tuber Letalis“ ist als Ursendung am 14. April 2014 ab 21:33 Uhr bei DeutschlandRadio Kultur zu hören. Das Hörspiel steht im Anschluss an die Ursendung unter dradio.de auch befristet zum Nachhören / Download zur Verfügung.


Tuber letalis
von Christian Hussel

Regie: Wolfgang Rindfleisch
DLR 2014
57 Min.

Mit Horst Kotterba, Klaus Spürkel, Jürg Löw, Hanna Plaß, Norbert Beilharz, Ernst Konarek, Vilmar Bieri, Endre Holéczy, Dino Scandariato, Roger Siffer, Reinhold Weiser

Kripo-Azubi Zweier löst seinen ersten Fall: Giacomo Favelli, einflussreicher Richter der piemontesischen Trüffelmesse, liegt tot in einem deutschen Wald.

Mitten in der tiefsten Provinz, im Wald zwischen Solverdingen und Groß Morla, wird ein toter Mann gefunden. Die Kopfverletzungen weisen eindeutig auf einen brutalen Mord hin. Da Kriminalkommissarin Katja Dorst hochschwanger ist, darf Kripo-Azubi Egon Zweier endlich seinen ersten eigenen Fall lösen. Zusammen mit Rechtsmediziner Dr. Scherenschleifer beginnt die Suche nach dem Täter. Als sich herausstellt, dass es sich bei dem Toten um einen berühmten italienischen Trüffel-Experten handelt, fällt der Verdacht auf den Wirt des Gasthofs „Goldene Knolle“. Dort werden Rühreier mit Alba-Trüffeln als Spezialität angeboten. Doch es tauchen immer mehr Verdächtige auf: der Biobauer Christoph, der französische Trüffel-Sammler Phillip – und alle scheinen ein Motiv zu haben.

Christian Hussel, 1957 in Leipzig geboren, studierte Theaterwissenschaft und Soziologie, schreibt für Theater und Rundfunk.

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