November in Rotenburg – Der Radiotatort „Das grüne Zimmer“

radiotatortDas beschauliche Rotenburg ist nicht das Pflaster, das der Abteilung für Kapitaldelikte der Kriminalpolizei viel Arbeit bereitet. So stürzt sich das kleine Team um Kommissar Nebe auch mal auf eher unspektakuläre Fälle, wie zum Beispiel einem Scheunenbrand. Was Nebe stutzig werden lässt: Es ist nicht der erste Zwischenfall dieser Art! Seit Jahren brennen im Umland im November Scheunen ab. Und es passiert immer am gleichen Tag: Der Nacht vom 22. auf den 23. November.

Sebastian Blomberg; Bild: HR/Benjamin Knabe

Sebastian Blomberg; Bild: HR/Benjamin Knabe

Bevor die Serie begann, stand der Tod eines Studenten im Jahr 1963, der sich auf einem Scheiterhaufen vermutlich selbst verbrannt hatte. Der Tote lebte im gleichen Haus, das Nebe jetzt bewohnt und aus dessen ehemaligem Zimmer er vor wenigen Tagen Musik gehört hatte.

Martin Engler; Bild: HR/Benjamin Knabe

Martin Engler; Bild: HR/Benjamin Knabe

Friedemann Schulz erzählt in der gewohnt ruhigen Art, mit der er seine Figuren in Rotenburg agieren lässt, eine sehr spannende und fesselnde Spurensuche in der Vergangenheit: Ein jahrzehntelang gehütetes Geheimnis, das erst durch die Deutung der regelmäßig wiederkehrenden Hinweise der Scheunenbrände ans Tageslicht gelangt. Auch wenn Schulz hier durch die Platzierung Nebes in seiner neuen Wohnung und damit am Ausgangspunkt der Falles den Fall etwas auffällig anschiebt, hat der Fall eine besondere Qualität. Schulz gelingt, die Konstruktion des Falles und die Anforderungen des gegebenen Rahmens sehr gut zu verbinden. Dieses Zusammentreffen der beschaulichen Kulisse Rotenburgs und des geheimisvollen Falls erinnert an düstere Kriminalgeschichten aus Skandinavien.

Hanno Koffler; Bild: HR/Benjamin Knabe

Hanno Koffler; Bild: HR/Benjamin Knabe

Die ruhige, fast schon düstere Atmosphäre, die beinahe mystischen Einschläge und das angenehm ausgewogene Spiel der Akteure macht aus diesem Radiotatort ein besonderes Hörspiel. Diese gelungene Mischung zeigt, dass das oft als zu mainstreamig kritisierte Format des Radiotatorts, dennoch Raum für Vielfalt an Inszenierungen und Geschichten lässt.

Mit „Das grüne Zimmer“ legt der hr seine bislang beste Produktion in der Reihe vor. Der Radiotatort ist spannend und wird dabei vollkommen unaufgeregt und fern von aufgesetzten Elementen erzählt.

Der Radiotatort „Das grüne Zimmer“ ist ab dem 16. Oktober 2013 im Radioprogramm der Wort- und Kulturwellen der ARD zu hören. Ab dem 21. Oktober (23 Uhr) steht das Hörspiel auch für vier Wochen zum kostenlosen Download auf radiotatort.de zur Verfügung.


Radiotatort (69) Das grüne Zimmer
von Friedemann Schulz

Regie: Thomas Wolfertz
hr 2013
54 Min.

Peter Fricke; Bild: HR/Benjamin Knabe

Peter Fricke; Bild: HR/Benjamin Knabe

Mit:

Nebe: Sebastian Blomberg
Schmoll: Martin Engler
Panzer: Hanno Koffler
Cindy: Sandra Gerling
Linda, Postbotin: Barbara Philipp
Herr Zacharias: Michael Gempart
Frau Lippmann: Monika Dortschy
Herr Radke: Dieter Mann
Herr Schwarze: Peter Fricke
Herr Sachse: Michael Evers
Herr Bahlke: Heinrich Giskes
Herr Frieder: Helmut Stange
Rosa Müller: Marianne Rogée
und Bastian Korff, Marcel Ehmann, Till Weinheimer

Michael Evers; Bild: HR/Benjamin Knabe

Michael Evers; Bild: HR/Benjamin Knabe

Das gewohnte Bild: Nicht viel los in Rotenburg. Eine abgebrannte Scheune. Und Nebe ist umgezogen. Linda, die Postbotin, hat ihm ein neues Domizil verschafft. Statt des Appartments im zehnten Stock des Best Western Hotels haust er nun im dritten Stock einer Gründerzeitvilla. Und stößt auf einen Selbstmord aus dem Jahr 1963. Das Jahr, in dem Kennedy ermordet wurde und die Beatles „Please Please Me“ veröffentlichten.

Heinrich Giskes; Bild: HR/Benjamin Knabe

Heinrich Giskes; Bild: HR/Benjamin Knabe

Die lapidare Bemerkung eines Feuerwehrmannes, dass so ein Scheunenbrand nahezu jedes Jahr geschehe, lässt Hauptkommissar Schmoll aufhorchen und tief in die Akten steigen. Allerdings reichen die nur bis ins Jahr 1980 zurück, die davor sind zerschreddert. Zwischen den Vorfällen scheint es keinerlei Zusammenhänge zu geben. „Cold cases“ eben. Als Nebe aus dem Fenster seiner neuen Wohnung auf den Bahnhof schaut – dort hält gegen zehn der letzte Zug -, steigt eine Frau in einem Poncho und einem roten Hütchen aus. Bringt sie Bewegung in die „kalten Fälle“?

Friedemann Schulz, geboren 1945, lebt als freier Autor und Regisseur in Neuwied, zahlreiche Hörspiele für die ARD.

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