Ich will dahin, wo die anderen sind – Ans Wasser!

RadiotatortDer Radiotatort für den September 2013 kommt vom NDR. Er stammt aus der Feder von Elisabeth Herrmann und wurde von Sven Stricker in Szene gesetzt.

Kriminalhauptkommissarin Breuer kehrt  – obwohl noch krankgeschrieben – zurück in den Dienst und muss sich gleich mit dem Tod des Fotografen Wettinghusen auseinandersetzen. Am Tatort trifft sie einen alten Bekannten, Lutz Petersen, der ihr in diesem Fall zur Seite stehen wird.
Der Tote wohnte in einem der Waterhouses, die zum neuen Gesicht des Stadteils Wilhelmsburg gehören. Dieser wechselt gerade „vom Arbeiterviertel zur Avantgarde“. Dass dieser Wandel auch für die Menschen kommt, hoffen auch einige der Bewohner im Viertel, wie zum Beispiel die hübsche JayLo. Sie hat sich zur Lokalberühmtheit gemausert und arbeit an ihrer Karriere als Modell und dem großen Durchbruch. Dazu hatte sie auch auf die Hilfe von Wettinghusen gesetzt, was bei ihrem Ex-Freund Yasim nicht gerade gut ankommt.

Rolf Petersen, Regisseur Sven Stricker und Sandra Borgmann; Bild: NDR / Fritz Meffert

Rolf Petersen, Regisseur Sven Stricker und Sandra Borgmann; Bild: NDR / Fritz Meffert

Der Wandel des Viertels ist der Hintergrund dieses Falles, der als Krimi vielleicht etwas weniger originell ist, als man es bislang von Elisabeth Herrmann gewohnt ist. Der Plot folgt üblichen Mustern, nutzt aber immerhin den sozialen Hintergrund gut aus.  Der Fall ist gut stukturiert, so dass er zu keinem Zeitpunkt – trotz vieler handelnden Figuren – undurchsichtig wird.

Zudem legt man dem Hörer einen Brocken für die Füße. Die Entwicklung bezüglich des Duos Garthmann / Breuer erfährt eine Wende, deren Folgen schon mal Erwartungen für die nächste Episode weckt.

Bemerkenswert ist die Inszenierung. In der über weite Teile sehr ruhigen Kulisse wirken die emotionalen Spitzen besonders gut. Auch dass, Breuers Gedankengänge sich parallel zur Handlunge verfolgen lassen, so dass der Hörer auch stets auf der Höhe des Geschehens bleibt, ist ein gut eingesetztes Stilmittel.

„Ans Wasser!“ hat leider nur durchschnittlichen Plot, der aber Dank einer großartigen ambivalenten Kulisse und einer starken Inszenierung, zu einem hörens- und empfehlenswerten Radiotatort wird.

Der Radiotatort „Ans Wasser!“ läuft ab dem 11. September 2013 auf den Wort- und Kulturwellen der ARD-Radiosender. Ab dem 16. September 2013 (23 Uhr) steht das Hörspiel vier Wochen lang zum Download zur Verfügung.


Radiotatort 68 – Ans Wasser!
von Elisabeth Herrmann

Musik: Holger Stausberg
Regie: Sven Stricker
NDR 2013
54 Min.

Mit:

Bettina Breuer: Sandra Borgmann
Jac Garthmann: Martin Reinke
Lutz Petersen: Rolf Petersen
Jennifer (JayLo) Lorenz: Maria Magdalena Wardzinska
Maggie Wackernagel: Julia Riedler
Susanne Frieling: Nina Petri
Yassin: Hüseyin Ekici
Christa Lorenz: Tanja Dohse
Köster: Vladimir Pavic
Ayse Yildirim: Sophie Dal
KTU-Mann: Hans Krumpholz
Daniel Wettinghusen: Konstantin Graudus
Ausflugsbootführer: Jens Poeck
POM: Michael Prelle
Jingle / Programmtrailer / Sprecher: Jonas Frank
Ansager Waterhouse: Oskar Ketelhut

Der Tatort: Hamburg-Wilhelmsburg, Europas größte bewohnte Flussinsel, 1962 überflutet, flankiert von Hafenanlagen, Auto- und Bahntrassen. Wilhelmsburg ist heute Heimat für Menschen aus 40 Nationen und gilt als sozialer Brennpunkt. Durch die Aktivitäten der Internationalen Bauausstellung und der Internationalen Gartenschau erhält der Stadtteil im Jahr 2013 ein neues Gesicht.

Die einen begrüßen die Aufwertung ihres Viertels, Gentrifizierung fürchten die Gegner. Jennifer Lorenz, die sich JayLo nennt, ist ein junges hübsches Mädchen aus dem Kiez, das in dem Wandel seine Chance sieht. Der Fotograf Daniel Wettinghusen hat ihr eine glanzvolle Karriere als Model vorhergesagt. Als seine Leiche in einem Stichkanal nahe der S-Bahnstation Wilhelmsburg gefunden wird, gehört JayLo zum engen Kreis der Tatverdächtigen. Hauptkommissarin Bettina Breuer taucht ins Wilhelmsburger Milieu ein.

Elisabeth Herrmann hat sich vor allem mit ihren Kriminalromanen einen Namen gemacht. Für „Zeugin der Toten“ (2011) wurde sie mit dem Radio-Bremen-Krimipreis 2011 und dem deutschen Krimipreis 2012 ausgezeichnet. Ihre Bücher wurden und werden verfilmt, so auch ihre Romane um den Berliner Anwalt Vernau (Jan Josef Liefers). Ihr Jugendthriller „Schattengrund“ wurde für den Hans-Jörg-Martin- Preis des Syndikats nominiert. Für den NDR schrieb sie die Radio Tatorte „Schlick“ (2010), „Versunkene Gräber“ (2011) und „Chicken Highway“ (Dezember 2012).

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Hörspiele, Kommentar, Radioprogramm abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s