Die Hörspiel-Arena 2013 – Ein tolles Event mit wenig Zuspruch

Plakat HörspielarenaDie Hörspielmesse Köln reloaded war ein wenig aus der Not geboren. Der ursprünglich anvisierte Messeort München fiel aus, und so musste kurzfristig Köln mitsamt Kulturbunker in die Bresche springen. Dies hatte durchaus auch positive Seiten, denn hier hatten die Macher schon Erfahrungen gesammelt und so lief die Messe vollkommen reibungslos ab.

Man bot ein abwechslungsreiches Programm, dass zwar nicht unbedingt die Hörspielhardcorefans vorab überzeugte, aber durchaus Interesse bei anderen hätte wecken können, die bislang nicht unbedingt dem Medium verfallen waren. Die Rechnung ging leider nicht auf, denn die Massen strömten weder aus dem einen, noch aus dem anderen Lager. Die Publikumsbeteiligung war überschaubar, sie lag sogar noch deutlich unter der schon nicht übermäßig üppigen Teilnahme im Jahr 2012.

Kulturbunker Köln

Kulturbunker Köln

Dazu mag es viele Gründe geben. Vom zu guten Wetter angefangen, über das Fehlen der Prominenz, der schwachen Präsenz der Hörspiellabel, bis hin zum zu speziellen Programm reichten die Reaktionen.

Gut besucht waren die beiden Abendveranstaltungen. Den Auftakt machte am Freitagabend die Hörtheatrale mit ihrer Fassung von „Sherlock Holmes und das gefleckte Band“. Die Veranstaltung überzeugte, die Reaktionen waren durchweg positiv.

Das A-Orchester der Stadt Köln

Das A-Orchester der Stadt Köln

Ebenfalls sehr positiv aufgenommen, aber leider nur von sehr wenigen Zuschauer, war der Auftritt des A-Orchesters der Stadt Köln unter der Leitung von Luis Hernán Angel, die zusammen mit der Sprecherin Juliane Ahlemeier Sergej Prokofieffs „Peter und der Wolf“ aufführten. Es mag dem frühen Termin geschuldet gewesen sein, dass sich nicht mehr Zuschauer einfanden, um diese aufwendige und gelungene Vorstellung zu genießen.

Traurich und Alt

Traurich und Alt

Beim anschließenden Comedy-Event von „Traurich und Alt“ wurde es auch nur unwesentlich voller. Björn H. Katzur und Martin Stelzle brachten einen kurzen Einblick in die Welt der beiden Titel gebenden Psychotherapeuten, die sich in einer irrwitzigen Supervision ihre prägnantentesten Fälle vorspielten. Viel schräger Humor, der sich nicht nach Mainstream-Comedy-Statuten richtet und immer Neues bot, bestimmten den 45minütigen Auftritt.

Talk "Crowdfunding" mit (vlnr) René Wagner, Oliver Wenzlaff, Frank Kindermann, Marco Göllner und Falk T. Puschmann

Talk „Crowdfunding“ mit (vlnr) René Wagner, Oliver Wenzlaff, Frank Kindermann, Marco Göllner und Falk T. Puschmann

Die anschließende Talkrunde zum Thema Crowdfunding fand dann schon vor volleren Rängen statt. Marco Göllner, Oliver Wenzlaff, Frank Kindermann und Falk T. Puschmann stellten ihre Projekte auf der Plattform startnext.de (sh. Links) vor. Die interessante und kurzweilige Runde, die von René Wagner moderiert wurde, bot einen guten Einblick in das Thema und stellte sich einigen Vorurteilen und Bedenken gegen diese Art der Produktfinanzierung entgegen. Das Publikum war allerdings auch schon so mit der Materie vertraut, bei der Nachfrage, wer denn eines der Projekte schon unterstützt hat, blieben nur wenige Hände unten.

Im Anschluss folgte eine weitere Talkrunde mit Jan-Friedrich Conrad und Sebastian Pobot. Erster ist Hörspielmusiker, der insbesondere beim Hörspiellabel „Europa“ vielfach zum Einsatz kam und auf der Bühne aus dem musikalischen Nähkästchen plauderte, aber auch Kostproben seiner Arbeit hören ließ. Sebastian Pobot ist nicht nur der Kopf hinter dem Label Highscoremusic, sondern hat auch einen eigenen breiten Erfahrungschatz beim Thema Hörspielkomposition.

Danach gab es zwei Live-Hörspiele – zum einen hatten „Die 3 Herren“ von RoKoSt-Hörspiele ihre „Operation Minerva“ im Gepäck, mit „Fröhlich Sauer“ boten Michael Nolden, Patrick Steiner und Christoph Walter ein Krimi-Kammerspiel.

Matthias Keller, früher bei den „UBahn-Kontrollören in tiefgefrorenen Frauenkleidern“, heute insbesondere bei den Hörspielhörern als Mitglieder der „Ferienbande“ bekannt, bot dann einen Ausschnitt aus seinem Soloprogramm „Loopinsland“. Von Fußflußen bis zum marokanischen Basar holte Keller aus der Loopstation, die er vorher einzeln mit hand- und mundgemachten Sounds fütterte.

Parallel zu diesem Tagesprogramm fand im Stockwerk unter der Bühne der Messebetrieb statt. „Betrieb“ ist leider das falsche Wort. Nur wenige Aussteller, nur wenige Gäste tummelten sich in den Räumlichkeiten. Leider präsentierten nur rund 15 Label Ihre Arbeit. Die Mühe und der Aufwand dürfte sich für die wenigsten unmittelbar gelohnt haben, man darf hoffen, dass zumindest ein langfristiger Werbeeffekt bei den Besuchern hängen bleibt.

Zeit für Gespräche: Hier mit den "3 Herren" auf der Terasse des Kulturbunkers

Zeit für Gespräche: Hier mit den „3 Herren“ auf der Terasse des Kulturbunkers

Immerhin bot sich die Möglichkeit, dass man auch durchaus mal längere Gespräche mit dem einen oder anderen Macher führen konnte, was wir für das anstehende OhrCast-Special gut gebrauchen konnten. So können wir hierzu schon mal Gespräche mit Stefan Lindner (Lindenblatt Records), Dennis Rohling (Hörplanet), Daniel Käser und Timo Schouren (Produzenten der Saber-Rider-Hörspiele), Ingo Rotkowsky, Christian Kock und Jan Hendrik Steinfeldt (RoKoSt-Hörspiele), sowie  Christoph Piasecki (Contendo Media) ankündigen.

Das Ensemble von "Sonderberg & Co"

Das Ensemble von „Sonderberg & Co“

Zurück zur Bühne – Hier wartete am Abend ein besonderes Live-Hörspiel: Zaubermond Audio brachte „Sonderberg & Co“ auf die Bühne des Kulturbunkers. Mit „Der Spiegel von Burg Vischaring“ bot man einen unterhaltsamen Krimi, der von starken Schauspielern dargeboten wurde: Insbesondere Dirk Hardegen, Tanja Geke und Tim Knauer düften bei den Zuschauern – und hörern bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Danach blieb der harte Kern zur After-Show-Party, die musikalisch – wie auch im vergangenen Jahr von Musikern aus dem Hörspielgenre bestritten wurde. Zu hören gab es die Band Seeking Raven, Matthias C. Nagel (Mindcrusher Studios), Mario Cuneo (Ilisten), Regisseur Marco Göllner, Schauspielerin Bettina Zech und die kurz zuvor noch bei „Sonderberg & Co“ agierenden Dirk Hardegen und Kirstin Hesse.

Inhaltlich hat die Messe sehr positiv überrascht. Das Programm war deutlich stärker, als es die Ankündigungen im Vorfeld vermuten ließen. Es fehlt allerdings deutlich an Zuspruch – sowohl bei den Zuschauern, als auch bei den Ausstellern. Da müssen noch einige Räder gedreht werden.

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2 Antworten zu Die Hörspiel-Arena 2013 – Ein tolles Event mit wenig Zuspruch

  1. irrewirre schreibt:

    Schade, dass so wenige kamen. Ich fand es beim letzten Mal sehr schön. Das Live-Programm lockte mich aber dieses Jahr nicht und da ich schon gehört hatte, dass nur wenige Aussteller vor Ort sind, war mir der Eintrittspreis einfach zu hoch.

  2. Fader Takhalous schreibt:

    Das könnte ganz banal daran gelegen haben, dass die Label nicht geglaubt haben, dass das 2. Mal am gleichen Ort mehr Interesse wecken würde als das 1. Mal. Das 1. Mal hat doch immer einen gewissen „Premierenbonus“. Und das scheint ja gestimmt zu haben.

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