Radiotatort – Geisterstunde: Polarisierende Krimikost aus Bremen

radiotatortJohn von Düffel übernimmt für den Radiotatort „Geisterstunde“ einen realen Fall aus Bremen und verwebt die Familie der Protagonistin Claudia Evernich in diesen hinein. Ein mit ihren Eltern befreundetes Ehepaar wird vergiftet. Der Verdacht fällt auf den Sohn, stichhaltige Beweise gibt es aber keine. Nach und nach kommen aber Details hervor, die den Fall in einem anderen Licht erscheinen lassen könnten.

Marion Breckwoldt, Markus Meyer; Bild: Radio Bremen/Jonas Maron

Marion Breckwoldt, Markus Meyer; Bild: Radio Bremen/Jonas Maron

Der zu Grunde liegende reale Fall hat leider nie einen krimitauglichen Abschluss gefunden. Entsprechend offen bleibt auch „Geisterstunde“. Das wird wieder einigen Krimifans wenig schmecken, doch es ist schon fast der Stil des Bremer Radiotatorts, dass hier eben kein runder Fall präsentiert wird.

Katharina Matz und Regisseurin Christiane Ohaus; Bild: Radio Bremen/Dennis Williamson

Katharina Matz und Regisseurin Christiane Ohaus; Bild: Radio Bremen/Dennis Williamson

Auch bietet die Geschichte an sich etwas wenig „Fleisch“, um die Radiotatortstunde zu füllen. Das löst man allerdings sehr gut, in dem man noch mit der Titel gebenden „Geisterstunde“ und einem weiterem Nebenstrang die Zeit angemessen nutzt, zumal beide Aspekte gut in die Haupthandlung eingebunden werden.

Gabriela Maria Schmeide; Bild: Radio Bremen/Dennis Williamson

Gabriela Maria Schmeide; Bild: Radio Bremen/Dennis Williamson

Wie bei Radio Bremen gewohnt, strotzt der Radiotatort vor Atmosphäre. Die Stimmung – gerade in den „gespenstischen“ Sequenzen – ist sehr gut gelungen.

Dass man immer mal wieder die gewohnten Krimipfade verlässt, macht das Besondere des Bremer Radiotatorts aus. Das polarisiert, wirkt aber auf jeden Fall nachhaltig. So bleibt auch „Geisterstunde“ hörenswert, auch wenn vieles im Dunkeln bleiben muss.

Der Radiotatort „Geisterstunde“ ist ab dem 8. Mai 2013 auf den Wort- und Kulturwellen der ARD zu hören. Ab dem 21. Mai 2013 steht die Episode dann auch als Download zur Verfügung.


Ingeborg Kallweit; Bild: Radio Bremen/Dennis Williamson

Ingeborg Kallweit; Bild: Radio Bremen/Dennis Williamson

Radiotatort 64 – Geisterstunde
von John von Düffel

Regie: Christiane Ohaus
RB 2013
51 Min.

Mit Marion Breckwoldt, Markus Meyer, Fritz Fenne, Ingeborg Kallweit, Katharina Matz, Gabriela Maria Schmeide, Jörg Pohl, Stephan Schad und Oskar Ketelhut

Nach dem Tod ihres Vaters bleibt Hauptkommissarin Claudia Evernich wenig Zeit zu trauern. Ihre Arbeit hält sie und ihren jungen Kollegen Claas in Atem. Damit nicht genug, denn Evernichs Mutter wird immer seltsamer. Frisch verwitwet, fängt sie an, in ihrem Haus Gespenster zu hören und zu sehen. Die Nachricht von einem mysteriösen, schwer erklärbaren Mordanschlag auf ein Ehepaar in Nähe ihres Elternhauses erreicht Evernich zur späten Stunde. Staatsanwalt Gröninger und der Polizeiapparat werden sofort in Bewegung gesetzt aus Sorge vor einem Lebensmittel-Erpresser. Es ist kein Zufall, dass Evernichs Mutter das mit Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus liegende Ehepaar gut kennt. Der reale Polizeialltag und das Surreale fangen an zu verschwimmen.

Jörg Pohl; Bild: Radio Bremen/Dennis Williamson

Jörg Pohl; Bild: Radio Bremen/Dennis Williamson

John von Düffel, geboren 1966 in Göttingen, aufgewachsen in u.a. Londonderry, Irland, Vermillion South-Dakota (USA) und Oldenburg i. O/Nieder-sachsen. Studium der Philosophie und Volkswirtschaft in Stirling/Schottland und Freiburg im Breisgau. Promotion 1989 über Erkenntnistheorie. Seit 1991 Dramaturg an verschiedenen Theatern in Stendal, Oldenburg, Basel, Bonn und von 2000-2009 am Thalia Theater Hamburg. Zur Zeit Dramaturg am Deutschen Theater Berlin. Autor zahlreicher Theaterstücke, Bearbeitungen, Prosa (zuletzt „Goethe ruft an“,  2011), Essays und Hörspiele, mehrere Preise (u.a. Nicolas-Born-Preis 2006 für deutschsprachige Gegenwartsliteratur).

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Eine Antwort zu Radiotatort – Geisterstunde: Polarisierende Krimikost aus Bremen

  1. woesbeginnt schreibt:

    Ich fand das Ende zu offen. Auf einmal war Schluss und die Ansage der Sprecher kam! Das war dann doch etwas verstörend. In dem Moment war ich nicht darauf vorbereitet, über ein offenes Ende nachzudenken, was ich sonst durchaus gerne mache.

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