Radiotatort – Der Schläfer ab 13. Februar 2013

radiotatortAm 13. Februar 2013 startet der neue ARD-Radiotatort. „Der Schläfer“ stammt aus der Feder von Fred Breinersdorf und Katja Röder und wurde vom SWR produziert.
Das Ermittlerduo Finkbeiner / Brändle muss diesmal eine brutalen Mord klären. Ein Student wird erhängt an einem Baum gefunden; es sieht wie eine Kreuzigung aus. Ein Ritualmord? Das Opfer war Moslem, seine Familie kam aus dem Iran und einige private Verbindungen deuten an, dass sein Glaube bei diesem Verbrechen eine Rolle gespielt hat. Einige Motive bieten sich an; unter anderem ist der Dozent des Opfers durch eine Verunglimpfung Mohammeds aufgefallen, sein Mitbewohner ist Konvertit und offenbart eine extreme Einstellung, aber auch eine bevorstehende Zwangsheirat könnte mit dem Fall zusammenhängen. Finkbeiner und Brändle ermitteln in alle Richtungen – selbst beim Verfassungsschutz gibt es einige Informationen.

Stefan Konarske, Ueli Jäggi und Karoline Eichhorn; Bild: SWR / Alexander Kluge

Stefan Konarske, Ueli Jäggi und Karoline Eichhorn; Bild: SWR / Alexander Kluge

Der Fall scheint kein Klischee des Themas „islamischer Extremismus“ auszulassen. Das überfrachtet den Krimi – könnte man meinen, das Gegenteil ist aber der Fall. Der Fall um den Mord am Studenten Mustafa wird aber durch den cleveren Einsatz dieser Elemente, sehr authentisch.  Gerade auch die reelle Inszenierung Walter Adlers sorgt dafür, dass hier kaum etwas zu konstruiert wirkt.

Die Charaktere erhalten durch starke Schauspieler Farbe. Auch hier hätte die Gefahr bestanden, dass man sich durch Dialekte und Akzente schnell unglaubwürdig macht. Die Besetzung ist aber über diesen Zweifel erhaben, selbst die kleinsten Rollen wurden von Schauspielern gesprochen, die eine passende Herkunft haben und dies auch glaubhaft transportieren können.

Das Hörspiel beginnt eher im gemächlichen Tempo. Gerade die Ueli Jäggis Interpretation des Xaver Finkbeiners vermittelt eine gewisse Beschaulichkeit. Die Ruhe täuscht, denn der Fall gewinnt mehr und mehr an Fahrt und endet schließlich mit einem temporeichem Showdown. Der eine oder andere Hörer könnte hier den letzten Griff in die Klischeekiste als zu tief empfinden. Aber auch hier sorgt die Bodenständigkeit dieser Produktion dafür, dass der Rahmen nicht gesprengt wird.

Wieder ein guter und solider Fall aus den Hallen des SWR. Ein hörenswerter Eintrag in die Reihe des Radiotatorts.

Der Radiotatort ist ab 13.02. im Radioprogramm der ARD Wort- und Kulturwellen zu hören. Ab dem 18.02. (23 Uhr) steht er einen Monat lang zum kostenlosen Download zur Verfügung.


Ueli Jäggi; Bild: SWR / Alexander Kluge

Ueli Jäggi; Bild: SWR / Alexander Kluge

Radiotatort (61) Der Schläfer
von Katja Röder und Felix Breinersdorfer

Regie: Walter Adler
Regieassistenz: Diana Müller
Ton: Rolf Knapp
Schnitt: Claudia Peyke
Besetzung Ursula Wein-Schaefer
Dramaturgie: Ekkehard Skoruppa
SWR 2013
53 Min


Karoline Eichhorn; Bild: SWR / Alexander Kluge

Karoline Eichhorn; Bild: SWR / Alexander Kluge

Mit:

Xaver Finkbeiner: Ueli Jäggi
Nina Brändle: Karoline Eichhorn
Prof. Ortenburg: Jens Winterstein
Kommissar Rainer Severin: Thomas Huber
Fatme al Harb: Schirin Brendel
Osman al Harb: Ramin Yazdani
Frau Thabaz: Elmira Rafizadeh
Leyli Thabaz: Ronan Özkan
Herr Thabaz: Neil Malik Abdullah
Manfred Müller: Stefan Konarske
Arbeiter: Walter Adler
Prof. Abay Yilmaz: Tim Seyfi
Beamter: Sebastian Schäfer
VS-Mann: Christian Schmidt


Ein brutaler Mord in Karlsruhe veranlasst die Kripo, Unterstützung beim LKA Stuttgart anzufordern. Das Opfer, ein junger Mann, Student an der Kunsthochschule, wurde aufgehängt an einem Baum in einem Waldstück gefunden. Fast sieht es so aus, als sei er gekreuzigt worden. Ein Ritualmord? Eine Tat im Affekt? Für beides gibt es Indizien. Nina Brändle und Xaver Finkbeiner erfahren, dass es sich bei dem Toten um einen Moslem handelt, dessen Familie aus dem Iran stammt. Angeblich gab es kaum Kontakt zwischen Sohn und Eltern. Dennoch haben sie ihn umgehend als vermisst gemeldet. Aber nicht nur die Familie al Hrab, die vor ihrer Flucht aus dem Iran zum gebildeten Mittelstand zählte, wirft Fragen auf: Ist sie, nach vielen Jahren in Deutschland, tatsächlich so integriert, wie es scheint? Sollte der Mord etwa damit zu tun haben, dass Mustafa al Hrab, das Opfer, eine Heirat mit dem Mädchen Leyla ablehnte, das sein Vater für ihn ausgesucht hatte? Welche Rolle spielt Manfred Müller, der Kommilitone, Mitbewohner und Freund, der sich Umar nennt, seit er zum Islam konvertierte? Und was hat es auf sich mit einer Fatwa, die gegen den Kunstprofessor des Opfers ausgesprochen wurde, nachdem er – angeblich – den Propheten Mohammed in einer Installation verunglimpft hatte? Den Professor scheint die Morddrohung nicht sonderlich zu beeindrucken, Personenschutz lehnt er jedenfalls ab. Finkbeiner und Brändle fragen beim Verfassungsschutz nach. Tatsächlich liegen dort Erkenntnisse vor: Der der tote Mustafa stand lange Zeit unter Beobachtung, die allerdings eingestellt wurde: Es hätten sich keinerlei Verdachtsmomente ergeben …

Katja Röder, geboren 1975. Auf Philosophie- und Jurastudium folgten eine Schauspielausbildung und Theater- und Filmengagements. 2006 übernahm sie die Leitung des Theaters und Musiktheaters des Münchner Kulturzentrums Pasinger Fabrik. Seit 2009 Zusammenarbeit mit Fred Breinersdorfer an Film- Hörspiel- und Theaterprojekten. 2010 Förderpreis für das Filmprojekt »Masernparty«.

Fred Breinersdorfer, geboren 1946 in Mannheim, Studium der Rechtswissenschaften und Soziologie in Mainz und Tübingen. Autor und Rechtsanwalt. Zahlreiche Veröffentlichungen und Filme, auch als Produzent und Regisseur. Diverse Preise und Auszeichnungen, u.a. Nominierung für den Academy Award 2006 für »Sophie Scholl – die letzten Tage«. Für den SWR schrieb das Autorenduo zuletzt den Radio-Tatort „Tödliche Kunst“ (2012)

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