Das Radioprogramm vom 18. – 24. Februar 2013

Das Hörspielprogramm im Radio für die 8. Kalenderwoche 2013 ist nun online. Hier sind schon mal einige besonders hörenswerte Produktionen:

DLR Kultur
Montag, 18. Februar 2013, 00:05

Bier auf dem Teppich
Ein Menschenexperiment

von Ulrich Bassenge

Regie: Ulrich Bassenge
Musik: Ulrich Bassenge
WDR 2012
50 Min.

Mit:
Johannes Mayr (g), JJ Jones (voc), Yogo Pausch (dr) und Georg Karger (b).

Eine Band bereitet sich auf eine lang ersehnte Studioaufnahme vor. Die große Idee: handgemachte Musik, retrospektiv, doch zeitgemäß. Unter dem Druck der Arbeit entfremdet sich das Kollektiv. Zusehends bestimmen außermusikalische Themen den Diskurs im Probenraum. Ein Kampf zwischen Band-Demokratie und Alpha-Anspruch entbrennt: „Irgendwann musst du dich entscheiden: Bist du der Hammer oder der Amboss?“ Alle Mitwirkenden sind Musiker. So entstehen Unschärfen zwischen Leben und Rolle. Reale Biographien treffen auf einen fiktiven Plot. Improvisation kollidiert mit manipulativer Montage. Hörbar wird der raue Sound gesprochener Sprache mit Dialekten und Akzenten, häufig vertont von den Akteuren im Augenblick des Sprechens. Die Projektentwicklung wurde mit einem Stipendium der Filmstiftung NRW gefördert.

Ulrich Bassenge, geboren 1956, lebt als Autor, Komponist, Regisseur und Musiker in Niederbayern. Er schrieb Film- musiken (u. a. „Die Macht der Bilder – Leni Riefenstahl“) und produziert Hörspiele („Walk of Fame“, „Morbus sacer“, „Im Wald da sind die Räuber“, „Der Grausame“).

Bemerkungen:

Ulrich Bassenge widmet sich in diesem Hörspiel den Abläufen innerhalb einer Band. Er lässt seine Sprecher, resp. Musiker, zum Thema Bandalltag im Proberaum improvisieren. Heraus kommt ein hochgradig unterhaltsames und lustiges Hörspiel, das viele, die bereits einige Erfahrungen unter Musikern machen durften, sicherlich oft mit dem Kopf nicken lassen wird. Viele Klischees werden hier aufgefahren, die vielleicht zunächst überzogen wirken, aber tatsächlich ins Schwarze treffen – solche Typen und Marotten gibt es so wirklich.

Bassenge zeigt hier auf, dass so klein und unbekannt die Band auch ist, sie doch immer irgendwie zum Showgeschäft gehört. Dank der Sprecher, die aufgrund ihrer eigenen musikalischen Erfahrung auch wissen, was sie tun, und der authentischen Aufnahme, die ohne die Sterilität einer üblichen Studioproduktion besonders echt wirkt, ist „Bier auf dem Teppich“ ein rundum gelungenes Werk geworden.

Diese Produktion ist mein Lieblingshörspiel von Ulrich Bassenge, ein Pflichtprogramm für Musiker und eine dringende Hörempfehlung für alle übrigen Hörer!

Meine Wertung: + + + +


BR 2
Mittwoch, 20. Februar 2013, 20:03

Paul Temple und der Conrad-Fall
Teil 1

von Francis Durbridge

Bearbeitung: Marianne de Barde und John Lackland
Regie: Willy Purucker
BR 21959
ca. 50 Min.

Mit:
Karl John, Rosemarie Fendel, Fritz Straßner, Adolf Ziegler, Horst Tappert, Inge Birkmann, Jürgen Arndt, Heidi Brühl, Fritz Wilm Wallenborn, Leo Bardischewski u.a.

Der englische Kriminalschriftsteller Paul Temple ist mit seiner Frau Steve nach Garmisch gefahren, um Scotland Yard und die Bayerische Kriminalpolizei bei ihrer Suche nach Betty Conrad zu unterstützen; jener jungen Engländerin, die seit über einer Woche vermisst wird. Betty ist die Tochter eines bekannten Londoner Neurologen und lebt seit längerem in Unterwies, einem exklusiven Pensionat nahe Garmisch. Angeblich war sie einer Einladung der Gräfin Dekker und des Schriftstellers Elliot France auf das benachbarte Gut gefolgt. Seither fehlt von ihr jede Spur. Rätselhafte Hinweise geben ein Cocktailstäbchen und die Benachrichtigung eines Modegeschäftes, in der die Fertigstellung eines blauen Mantels angekündigt wird. Auch die Person des Elliot France wird zunehmend mysteriöser. Und Mr. und Mrs. Temple müssen ihre Bemühungen, Betty Conrad zu finden, beinahe mit dem Leben bezahlen.

Noch gibt es keine konkreten Ergebnisse bei der Suche von Paul Temple und seiner Frau nach Betty Conrad, die seit einer Woche in Garmisch vermisst wird. Neue Personen treten auf, die mit ihr in Beziehung standen: der junge englische Bankbeamte Denys Harper, Elliot France, der eine frühere Begegnung mit Bettys Vater erwähnt, und nicht zuletzt ihr Vater Dr. Conrad selbst, der erst jetzt nach Bayern kommen kann, weil ihn seine verantwortungsvolle Tätigkeit als Nervenarzt so lange in England festhielt. Und wieder findet Paul Temple eines von diesen merkwürdigen Cocktailstäbchen. Im Hotel Römer erhielt man derweil einen seltsamen Anruf für ihn mit der Nachricht, er solle nach Innsbruck kommen und sich an die Adresse Damlstadl 37 wenden. Wer ist die weibliche Stimme mit amerikanischem Akzent, die für Mr. Temple eine Nachricht hinterlässt? Ist es June Jackson, Bettys Freundin im Pensionat Unterwies? Ein später Besuch bei June scheint Paul Temple auf eine Spur gebracht zu haben. Weniger durch das, was June sagte, als dadurch, wie sie aussah.

Rätselhafte Anrufe erreichen das Ehepaar Temple. Mrs. Temple, die einen davon entgegennimmt, ist zunächst der Meinung, mit ihrem Mann zu sprechen, der sie bittet, nach Innsbruck zu kommen. Der Mann am anderen Ende der Leitung versteht es, Paul Temples Stimme täuschend echt nachzuahmen. Doch Steve erinnert sich an einen alten Trick, mit dem sie den Anrufer aus dem Konzept bringt und die Täuschung aufdeckt. Im Laufe der Nachforschungen nach Betty Conrad wird immer deutlicher, dass es sich offenbar nicht allein um das Verschwinden einer jungen Engländerin handelt. Es sieht so aus, als sollte Paul Temple recht behalten, als er sagte, man würde Betty Conrad finden – tot, in einem blauen Mantel. So bringt Inspektor Ollersberg von der Bayerischen Kriminalpolizei schließlich die Nachricht, man habe die Leiche eines Mädchens gefunden, deren Beschreibung ziemlich genau auf die junge Engländerin passt. Kurz darauf erreicht Mr. Temple, der sich noch immer mit seiner Frau in Garmisch aufhält, ein Anruf von Scotland Yard. Sir Graham Forbes teilt ihm mit, dass Betty Conrad lebt.

Betty Conrad lebt, doch wer ist das Mädchen, das man tot gefunden hat? Wie stand sie zu Betty Conrad in Verbindung? Die Rätsel beginnen sich zu häufen und am Abend vor ihrem Abflug zurück nach London besuchen Mr. und Mrs. Temple noch einmal das Hotel Römer. Frau Günther, die Besitzerin, hat sie dazu aufgefordert. Sie will mit Paul Temple für einen Augenblick alleine sprechen. Sie ist sehr aufgeregt. Sie scheint etwas zu wissen, beschränkt sich aber auf Andeutungen und Warnungen. Vor allem vor einem Mann, der sich Captain Smith nennt. Am nächsten Tag, kurz vor dem Abflug der Maschine nach London, bringt die Stewardess einen Blumenstrauß mit Grüßen von Heinz Ollersberg, dem Kriminalinspektor aus München. Als das Flugzeug bereits gestartet ist, findet Mrs. Temple eine angsteinflößende Nachricht, die im Blumenstrauß versteckt ist.

Mr. und Mrs. Temple sind eben erst in ihrer Londoner Wohnung angekommen, als sie ein Anruf der Gräfin Dekker erreicht, die ebenfalls nach England geflogen ist, um – wie sie sagt – eine wichtige Aussage zu machen. Ihre Stimme klingt sehr erregt. Paul Temple fährt am selben Abend noch in das Hotel, in dem die Gräfin abgestiegen ist, aber er kommt zu spät. Jemand hat versucht, sie zu ermorden. Schwer verletzt wird sie in ein Krankenhaus gebracht. Der Täter ist entkommen. Ob dieser Captain Smith etwas damit zu tun hat, vor dem Paul Temple so eindringlich gewarnt wurde? Ein merkwürdiger Zufall will es, dass Mr. und Mrs. Temple kurz darauf seine Bekanntschaft machen. Am nächsten Tag nehmen sie Kontakt zu Betty Conrad auf, die wieder bei ihrem Vater ist, doch das Gespräch ist ergebnislos, nichts will zusammenpassen. Da ergreifen Mr. und Mrs. Temple die Initiative und kommen an bemerkenswerte Informationen.

Auf einer Konferenz bei Scotland Yard werden die Ergebnisse der letzten Tage zusammengefasst und es wird klar, dass ein Zusammenhang zwischen dem zwielichtigen Captain Smith und dem Fall Conrad besteht. Am Abend erhält Mr. Temple Besuch von Betty Conrads Freund Mr. Harper und zeitgleich einen Anruf von jemandem, der sich mit perfekt imitierter Stimme als ebendieser Mr. Harper ausgibt: Er will Mr. Temple in einer alten Papierfabrik treffen – eine offensichtliche Falle. Paul Temple macht sich mit einigen Kollegen auf den Weg und sie finden den im Sterben liegenden Captain Smith. Es gelingt ihnen gerade noch, aus der in Brand gesteckten Fabrik zu flüchten. Paul Temple weiß nun, wer hinter den Vorgängen steckt und legt eine Falle.

Francis Durbridge (1912–98), britischer Schriftsteller, Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher. Durchbruch 1938 mit der Figur des fiktiven Krimiautors und Hobbydetektivs Paul Temple, aus dessen Fällen umfangreiche englische und deutsche Hörspielreihen entstanden.


1Live
Donnerstag, 21. Februar 2013, 23:00

Vor Sonnenaufgang
von Bodo Traber

Regie: Petra Feldhoff
WDR 2010
42 Min.

Mit:
Henrik: Tobias Schenke
Ella: Janina Stopper
Spiedermann: Max Mauff
Tamara: Nadia Hilker
Ellas Mutter/Schwester: Cathlen Gawlich
Lehrer: Robert Gallinowski
Polizist/Reporter (TV): Fabian Gerhardt
Polizistin: Helene Grass
Redneck 1: Alexander Hauff
Redneck 2: Peter Davor
Wirt: Udo Kroschwald
Stimme: Alexander Radszun
Arzt 2: Mehmet Merih Yilmaz
Arzt 1: Bodo Traber

Die Original-Ton-Dokumente einer der spektakulärsten Geheimsachen unserer Zeit. Mit großem technischem Aufwand gefiltert, verstärkt und von Störgeräuschen befreit. Nach dem verheerenden Brand einer Großbaustelle wurden in den Trümmern mehrere
halbgeschmolzene Handys und Digikameras sicher gestellt. Die Aufzeichnungsgeräte stammen aus dem Besitz von fünf bis heute verschwundenen jungen Menschen, die am Abend zuvor zu einem Rockkonzert nach Leipzig fahren wollten. Sie kamen nie dort an und kehrten nie zurück.

Wie sie stattdessen in das entlegene Wohnviertel gelangten, und aus welchen Gründen dort ein Großbrand entstand, dem vermutlich mehrere hundert Anwohner zum Opfer fielen, zeigen die erhaltenen Aufnahmen. Nur für Leute mit starken Nerven!

Bodo Traber ist Synchron-, Bühnen-, Drehbuch- und TV-Serienautor sowie Filmjournalist und Kritiker. Er ist Science-Fiction- und Horrorexperte. Für den WDR schrieb er zuletzt mit Tilman Zens das Hörspiel „Die Flüsterer“, das mit dem Kurd-Laßwitz-Preis 2009 ausgezeichnet wurde.


Bemerkungen:

Bodo Traber bedient seit geraumer Zeit das, im Radio etwas stiefmütterlich behandeldte Genre des Grusel- bzw. Horrorhörspiels. Seine Bandbreite reicht dabei vom reellen Thriller, wie z. B. „51° West“ bis zu phantastischen Stoffen wie „Ghostwriter„. Er ist damit im Bereich des Radiohörspiels nahezu konkurrenzlos, spielt aber mit seinen Produktionen auch das Gros der Hörspiele im kommerziellen Bereich des Genres an die Wand.

Auch mit „Vor Sonnenaufgang“ gelingt es ihm, eine absolut packende Geschichte so gut zu erzählen, dass der Hörer hier nicht mehr loslassen kann. Dabei ist der Plot im Grunde gewöhnlich: Eine Gruppe Jugendlicher gerät durch eigenes Verschulden in ein
Horrorszenario, was dafür sorgt, dass der eine oder andere von ihnen auf der Strecke bleibt.

Ihre Geschichte nehmen sie per Videokamera auf. Die einzelnen Sequenzen des Films werden hier als Basis der Erzählung genommen. Änhlich wie im Film „Blair Witch Project“ entsteht so ein recht realer und glaubwürdiger Eindruck. Natürlich darf man sich, wie im Genre üblich, nicht unbdingt irgendwelche Fragen stellen, die auf den Sinn mancher Handlungsweisen – beispielsweise, warum in manchen Situationen die Kamera läuft – zielen.
Andererseits gibt es einige Punkte in der Geschichte, an denen gerade dieser Punkt wiederum gut dargestellt wird, ohne das es zu aufgesetzt wirkt.

Petra Feldhoff inszeniert diese temporeiche Geschichte auf den Punkt genau. Ihr gelingt es, die besonderen Anforderungen, die das Erzählformat stellt, zu erfüllen. So schafft sie es die nötige Atmosphäre nur unter durch die Geräusch- und Hintergrundkulissen zu erzeugen. Sie baut vorstellbare Räume und Szenerien, was für das Spannungsmoment hier extrem wichtig ist. Gelungen ist insbesondere auch die Abbildungen von den besonderen
Situationen, die dadurch entstehen, dass die Videokamera zwar immer den Mittelpunkt der Wahrnehmung ausmacht, sie aber nicht immer direkt im Zentrum des Geschehens ist. Dazu gesellt sich ein sehr authentisch wirkendes Schauspielerensemble, das die besonderen Anforderungen der Geschichte sehr gut umsetzt.

Mit „Vor Sonnenaufgang“ bringt der WDR ein Stück besonderer Hörspielunterhaltung, bei dem der Hinweis im Programmtext „Nur für Leute mit starken Nerven“ keine hohle Werbephrase ist. Hier können sich viele Produzenten im kommerziellen Gruselhörspieldschungel durchaus das eine oder andere noch abschauen – denn hier gibt es erstklassige Genreunterhaltung!

Meine Wertung: + + + + +


SWR 2
Freitag, 22. Februar 2013, 22:33

Wenn die Gondeln Trauer tragen
von Daphne du Maurier

Bearbeitung: Regine Ahrem
Regie: Regine Ahrem
Musik: Michael Rodach
rbb 2007
52 Min.

Radiotipp der HörspielfreundeCover

Mit:
Matthias Scherwenikas, Stefan Kurt, Sascha Icks, Christine Oesterlein, Carmen-Maja Antoni

Um nach dem tragischen Unfalltod ihrer Tochter etwas Abstand zu gewinnen, fahren John und Laura nach Venedig. Gleich nach ihrer Ankunft deuten mysteriöse Vorfälle und Vorzeichen darauf hin, dass ihr Albtraum noch nicht zu Ende ist.

So begegnen sie zwei älteren Schwestern, von denen die blinde behauptet, über das zweite Gesicht zu verfügen und in Kontakt mit der verstorbenen Tochter zu stehen. Außerdem sieht sie eine unbestimmte Gefahr für die beiden voraus. Tatsächlich kommt prompt ein Anruf von zu Hause. Der dort zurückgelassene Sohn scheint schwer erkrankt zu sein. Und gleichzeitig treibt ein geheimnisvoller Mörder sein Unwesen in der Stadt.

Daphne du Maurier (1907-1989) wurde in London geboren. Ihre Romane „Rebecca“ (1938) und „Die Vögel“ (1952) dienten Alfred Hitchcock als Vorlagen für zwei seiner gruseligsten Reißer.

Wer die Vorlage oder den gleichnamigen Film kennt, wird sich sicher zuerst fragen, wie es funktionieren soll, diese Geschichte in ein Hörspiel zu packen. Gerade dann noch, wenn man dies auch noch in einer Radiostunde erzählen will?!

Regina Ahrem hat sich dem Problem gestellt und man kann getrost sagen, dass sie dies sehr zufriedenstellend gelöst hat. Sie packt soviel in die recht kurze Spielzeit, dass man kaum den Eindruck hat, das hier Wesentliches auf der Strecke geblieben ist. Zugleich schafft sie es die düstere und getragene Atmosphäre zu schaffen, die dieses Werk so einzigartig macht.

Das gelingt, obwohl man die musikalische Untermalung nur recht spärlich einsetzt. Vielleicht hätte man den Kompositionen mehr Raum geben sollen, denn dort wo sie eingesetzt wurden, passen sie perfekt – ein Mehreinsatz hätte sicherlich das Hörspiel nicht überfrachtet, sondern vielleicht noch besser gemacht.

Bei den Sprechern lässt man wie zu erwarten nichts anbrennen. Hier setzt man auf viele bewährte Radiostimmen, die perfekt ihre Rollen transportieren.

Die Umsetzung des RBB fängt das Flair der Vorlage perfekt ein und schafft es, die Geschichte ohne große Verluste in eine Radiostunde zu packen. Meines Erachtens eines der besten Radiohörspiele des Jahres 2007 – eine erstklassige Inszenierung des RBB!

Meine Wertung: + + + + +


WDR 5
Samstag, 23. Februar 2013, 17:05

Kreuzeder und der Tote im Wald
von Jörg Graser

Regie: Stefan Dutt
DLR 2012
57 Min.

Mit:
Sigi Zimmerschied, Luise Kinseher, Maria Peschek, Martin Engler, Michaela May, Marian Funk

Sigi Zimmerschied und Michaela May; Bild: ©DLR/Sandro Most
Sigi Zimmerschied und Michaela May; Bild: ©DLR/Sandro Most

Polizeipsychologin März informiert Kriminalrat Kreuzeder, dass in der Nähe zur tschechischen Grenze eine Leiche gefunden wurde. Kreuzeder mag sich am Sonntag nicht mit einem Mord befassen. Außerdem leidet er mal wieder an den Auswirkungen eines Alkoholrausches. Um den Fall nicht bearbeiten zu müssen, schleppt er den Toten über die Grenze nach Tschechien. Doch das hilft ihm nicht. Die tschechische Polizei bittet prompt um Amtshilfe, denn Spuren führen nach Deutschland. Der Tote, Max Krobel, wurde mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet. Er war Hausmeister einer Schule und wenig beliebt. Die Art und Weise, wie er ums Leben kam, spricht für einen Auftragsmord.

Nachdem der erste „Kreuzeder“ eine wahrlich positive Überraschung war, hat mich der zweite Teil – „Kreuzeder und die Kellnerin“ – kaum begeistern können. Daher war die Spannung groß, wie denn dieser dritte Teil nun ausfallen würde. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Begeisterung ist zurück. „Kreuzeder und der Tote im Wald“ bringt die bekannten Schrullen des untermotivierten Kommissars zurück. Er ist sich beispielsweise nicht zu schade, eine Leiche über die tschechische Grenze zu bringen, damit sich die Kollegen dort mit dem Fall befassen müssen. Natürlich funktioniert das nur bedingt und letztlich muss Kreuzeder dann doch irgendwie ermitteln. Dem dann zu lauschen ist ein Genuss – denn Kreuzeder ist hier wieder so ein wunderbarer Gegenentwurf zum Klischee-Kommissar, dass man sich fragt, warum es diese Art der Figur nicht viel öfter gibt. Natürlich hat Jörg Graser damit nicht einen neue Krimisparte erfunden, aber sein origineller Protagonist bringt zumindest eine sehr rare Facette ins Krimifach.

Das Hörspiel, das die meines Erachtens aktuell beste Krimihörspielredaktion produziert hat, kommt mit viel bayerischem Flair daher. Das bedingt auch eine gewisse Ruhe und Tempoarmut, was aber perfekt ins System passt – Zumal damit auch ein perfektes Timing gewährleistet ist.

Der großartige Kabarettist und Schauspieler Siggi Zimmerschied ist eine perfekte Besetzung dieser besonderen Figur. Aber auch das restliche Ensemble kann sich durchaus hören lassen.

Eine Rückkehr zu alter Stärke – Kreuzeder besticht durch einen ordentlichen Kriminalfall in origineller Kulisse und sehr guter Umsetzung. Das sollte man sich nicht entgehen lassen!

Meine Wertung: + + + +


Alle Empfehlungen findet ihr auch im OhrCast:

Dieser Beitrag wurde unter Hörspiele, Radioprogramm abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s