Ursendung: Böhmische Wälder von Ulrich Land

Arved Birnbaum als Polizist Rüsen; Bild: WDR / S. Anneck

Arved Birnbaum als Polizist Rüsen; Bild: WDR / S. Anneck

Am 22. Januar sendet WDR 5 ab 20:05 Uhr erstmals das Hörspiel „Böhmische Wälder“. Autor Ulrich Land nutzt dabei die Ausbeutung illegalen Arbeitern innerhalb der EU. Er siedelt seine Geschichte im deutsch-tschechischen Grenzgebiet an.
Über die Grenze gelangt ein Trupp vietnamesischer Forstarbeiter ins sächsiche Ebersbach. Die dort ansässigen Polizisten tun sich schwer, was mit ihnen zu tun ist. Bürokratie und Misstrauen stehen der menschlichen Tragödie entgehen. Als sich die tschechische Polizei meldet, scheint man das Problem elegant loswerden zu können.
Misstrauen herrscht auch auf Seiten der Vietnamesen, sie ergreifen die Flucht. Janina, eine Impact-Ativistin glaubt die Hintergründe zu kennen und versucht eine gemeinsame Lösung zu finden, aber auch ihr gegenüber begegnen sich die Parteien skeptisch.

In Rückblenden, die über die Geschichte verteilt sind, wird die Aktion, die letztlich die Flucht der Fremdarbeiter ausgelöst hat, nacherzählt. Man erfährt von den schwierigen Bedingungen, von der Ausbeutung und vom menschenverachtenden Druck, der letztlich in eine Katastrophe mündet. Diese nimmt immmer größere Ausmaße an und reisst auch die positiv besetzten Figuren mit in den Abgrund.

„Böhmische Wälder“ wirkt nach, weil es gelingt, die Geschichte im richtigen Mischungsverhältnis von realem Hintergrund und fiktiver Anteile zu erzählen. Allerdings sind die Figuren doch eher Klischeeträger, denn an sich interessante Charaktere. Das dürfte sowohl dem engen Format, als auch der
überschaubaren Anzahl an Figuren geschuldet sein. Aber die großen Charakterstudien sind hier ja auch nicht im Fokus – es geht ja deutlich mehr darum, Finger in Wunden zu legen, was ja letztlich auch gelingt.

Das Ganze wird auch spannend erzählt. Insbesondere das bedrohliche Szenanio bei Rückblenden in den böhmischen Wald ist großartig gelungen und sorgt dafür, dass dieses Hörspiel sicherlich noch weiter nachwirkt.

Zu hören sind u. a. Effi Rabsilber als Aktivistin Janina, Arved Birnbaum und Horst Kotterba als Polizisten und Albert Kitzl als Spidla, dem Antreiber der Forstarbeiter. Die Regie führte Christoph Pragua.


Böhmische Wälder
von Ulrich Land

Regie: Christoph Pragua
WDR 2013
52 Min.


Mit:

Janina Kalex: Effi Rabsilber
Sander: Horst Kotterba
Rüsen: Arved Birnbaum
Svoboda: Michael Chadim
Tung: Yung Ngo
Spidla: Albert Kitzl
Andi: Jörg Malchow
Václav: Marek Zedek


Völlig erschöpft, unterkühlt und ausgezehrt erreicht eine Gruppe von sechs Vietnamesen den kleinen Ort Ebersbach. Die sächsischen Dorfpolizisten Sander und Rüsen sind überfordert. Die Vietnamesen bleiben stumm. Erst als sich eine gewisse Janina Kalex für sie interessiert, kommen erste Details ans Licht. Sie behauptet, die Männer seien mit falschen Verträgen über die tschechische Botschaft in Saigon angeworben und in den böhmischen Wäldern ohne Unterkunft und Versorgung brutal ausgebeutet worden. Während Sander das menschliche Elend unbürokratisch lindern will, möchte sein Kollege Rüsen den Fall am liebsten gar nicht erst in seine Zuständigkeit nehmen. Er zweifelt auch an den Motiven der fürsorglichen Janina Kalex.

Ulrich Land, geboren 1956 in Köln, schreibt neben Lyrik und Prosa vor allem Essays, Features und Hörspiele, darunter ebenso spannende wie skurrile Krimis oder Mutmaßungen zu biografischen Ungereimtheiten großer Autoren. Nach langen Jahren in Hattingen lebt er in Vogtsburg im Kaiserstuhl.

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