Das Radioprogramm vom 11. – 17. Februar 2013

Das Hörspielprogramm im Radio für die 7. Kalenderwoche 2013 ist nun online. Hier sind schon mal einige besonders hörenswerte Produktionen:

DLR Kultur
Montag, 11. Februar 2013, 00:05

Radio:Tipp

Olga la Fong
von Eugen Egner

Regie: Annette Berger
WDR 2008
49 Min.

Susanne Jansen; Bild: WDR/Sibylle Anneck

Susanne Jansen; Bild: WDR/Sibylle Anneck

Mit:
Matthias Matschke, Susanne Jansen, Rene Heinersdorff, Traugott Buhre, Klaus Herm, Thomas Nicolai, Matthias Ponnier, Siemen Rühaak, Mark Oliver Bögel, Klaus-Dieter Klausnitzer, Ulrich Marx, Jochen Langner, Mira Partecke, Lars Schmidtke, Susanne Reuter, Dustin Semmelrogge u. a.

Fotografieren Sie die Seriennummer auf der Unterseite von Olga La Fong!‘ Es gibt gewiss leichtere Arbeitsaufträge. Zumal man nie wissen kann, ob die Telekommunikationsfirma den Telefonanschluss nicht hinterrücks lahmlegt hat. Und wenn sich zur Unerbittlichkeit der Arbeitswelt in Form des Foto-Auftrags noch der Terror der Massenmedien in Form von dichtenden Schaffnern gesellt, ist die Katastrophe schnell perfekt. Selbst mit einer Reichs-Lochkamera und einem Andersen-Schürfbock ausgestattet wird es unter diesen Umständen höchst schwierig, Olga La Fongs Seriennummer abzulichten. Als schließlich zu allem Überfluss die Texas Rangers folgenschwer ins Zeitgefüge eingreifen, kann nur noch die Staatsmacht helfen. Doch auch die versagt. Polizisten, die an nichts anderem interessiert sind als der Produktion infernalischen Lärms, können den Bürger nicht mehr schützen.

Eugen Egner, geboren 1951, preisgekrönter Meister des Grotesken (Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor 2003), lebt in Wuppertal, wo er abgründige Geschichten und Zeichnungen anfertigt, u. a. für die Zeitschrift Titanic.

‚Olga la Fong‘ ist ein Hörspiel, das nicht sofort den Hörer packt und in seinen Bann zieht. Dazu braucht es schon ein paar Minuten der Gewöhnung, zumindest für die, die bislang von Autor Eugen Egner noch nichts vernommen haben. Denn ‚Olga la Fong‘ hat einen ganz eigenen Stil. Ist man aber über die Phase der ersten Verwunderung hinaus, dann nimmt einen Egner mit auf eine äußerst unterhaltsame Reise, und man lauscht gebannt und fiebert mit, ob es denn wohl gelingen wird, die Seriennummer auf der Unterseite von Olga la Fong mit der Reichslochkamera zu fotografieren. Ein Mix aus herrlichen Elementen, die, wie es sich für ein ordentliches Humorgefüge gehört, gerne auch immer wiederkehren.

Ein Mix aus großen, altbekannten Sprechern und jungen, frischen Stimmen sorgt für den passenden Klang. Der Humor wirkt, weil man nicht lustig klingen will. Hier und da unterläuft ein Sprecher dies etwas, was aber den guten Gesamteindruck kaum schmälert, sondern als eigene Facette vertretbar bliebt. Eines der ungewöhnlichsten, aber auch eines der unterhaltsamsten Hörspiele, das ich in diesem Jahr gehört habe. ‚Olga la Fong‘ ist ein Muss für alle, die sich von Skurrilitäten nicht zurückschrecken lassen.

Meine Wertung: + + + +


OE 1
Dienstag, 12. Februar 2013, 21:00

Radio:Tipp

Category 5: Wie ich Fats Domino aus dem Hurrikan Katrina rettete
von David Zaine Mairowitz

Regie: David Zaine Mairowitz
Musik: Fats Domino
SRF 2012
52 Min.

Prix Europa 2012

Mit:
Dudeck: Martin Reinke
Fats Domino: Allan Evans
Officer Black: Robyn Lyn Gooch
Mambo Vera: Hélène Echard
Prediger: Aloysius Itoka
Nachrichtensprecher: Henry Camus
Bergungsarbeiter / 1. Cop: Vincent Leittersdorf
Rezeptionistin: Anikó Donáth
2. Cop: Daniel Ludwig

Als am 29. August 2005 der Hurrikan Katrina die Stadt New Orleans trifft, ist das Ausmass der Katastrophe trotz aller Vorsichtsmassnahmen verheerend. Nahezu die gesamte Stadt steht bis zu sieben Meter tief unter Wasser, Evakuierungszentren sind geflutet, etwa 1’800 Menschen sterben, andere warten tagelang auf den Dächern ihrer Häuser auf Rettung. In all diesem Chaos trifft die Musikwelt ein weiterer Schlag. Fats Domino, der grosse Rhythm and Blues- Sänger und Sohn der Stadt, ist verschwunden. Niemand weiss, wo er ist und ob er überhaupt noch lebt. Diese Nachricht ist für David Zane Mairowitz‘ Protagonisten, den Berliner Dudeck, ein Erweckungsmoment. Er, der alte Rock’n’Roller, der nie etwas gewagt hat, macht sich auf mitten in das Katastrophengebiet, um Fats Domino zu retten. Zu Hilfe kommen ihm dabei nur seine blutdrucksenkenden Mittel und die Fähigkeit, mit seinem grossen Idol in Gedanken zu kommunizieren. David Zane Mairowitz arbeitet mit YouTube- und selbst aufgenommenen Originaltönen. Er macht die Katastrophe akustisch erlebbar und lässt das New Orleans auferstehen, in dem sein unbedarfter Dudeck mit Berliner Schnauze und besessen von Fats Domino mit Alligatoren um die Wette paddelt, Voodoozauber erfährt und mit der völlig überlasteten Polizei von New Orleans aneinandergerät.

David Zane Mairowitz, 1943 in New York geboren, lebt seit 1966 in Europa als freier Schriftsteller, heute in Avignon und Berlin. Er verfasst journalistische Arbeiten, Kurzgeschichten, Bühnenstücke und zahlreiche Hörspiele, für die er u.a. 1996 mit dem Prix Ostankino für «Planet aus Asche», 1997 mit dem Prix Italia für «Der wollüstige Tango» und 2005 mit dem Prix Europa für «Im Krokodilsumpf» ausgezeichnet wurde. .

Fats Domino, 1926 in New Orleans geboren, ist ein US-amerikanischer Rhythm and Blues-Sänger. Die Rock’n’Roll-Zeit der 50er Jahre wurde zu seiner erfolgreichsten musikalischen Phase, in der Songs wie «Blueberry Hill», «Ain’t that a shame» oder «Blue Monday» entstanden. Fats Domino lebt heute zurückgezogen in New Orleans und will die Stadt bis zu seinem Tod nicht verlassen.

David Zaine Mairowitz nimmt das reale Verschwinden Fats Dominos in den Wirren der Katastrophe, die vom Wirbelsturm „Cathrina“ über New Orleans hereinbrach, als Grundlage für seine bitterböse, aber sehr unterhaltsame Geschichte. Sein Protagonist Dudek taugt eigentlich nur wenig zum Helden – Gesundheitlich höchst angeschlagen, kämpft er sich durch das Katastrophengebiet, um sein Idol, Fats Domino, zu retten. Er ringt mit Alligatoren, Polizisten, Plünderen und seinem Bluthochdruck.

Die skurrile Geschichte lebt von einer gelungen Mischung aus bitterer Realität und der abstrusen fiktiven Geschichte. Mairowitz‘ Dudek ist dabei das herausragende Moment. Die Figur wird sehr lebendig von Martin Reinke dargestellt – ich kann mich nicht erinnern, den Schauspieler jemals so großartig erlebt zu haben..

„Category 5: Wie ich Fats Domino aus dem Hurrikan Katrina rettete“ ist ein cleveres und höchst unterhaltsames Hörspiel!

Meine Wertung: + + + +


WDR 3
Dienstag, 12. Februar 2013, 23:05

Otto Mötö
von Gaby Schaffner

Regie: Gabi Schaffner
hr 2012
59 Min.

Hörspiel des Monats August 2012

Sie kennen Martti Mauri nicht? Eigentlich nicht verwunderlich, doch um so bedauernswerter, denn dieser finnische Eigenbrötler ist Legende und Unbekannter gleichermaßen. Martti Mauri, geboren 1935 auf der Halbinsel Kuokkala bei Jyväskyla, ist passionierter Autodidakt mit einer gewaltigen Leidenschaft für Motoren aller Art. Ein Liebender? Gewiss. Ein Fetischist? Selbstverständlich – wie anders könnte man einen Menschen beschreiben, der es sich schon als Kind lieber auf der noch warmen Motorhaube eines Traktors bequem machte als in einem herkömmlichen Kinderbettchen? Seit Beginn der 50er- Jahre trieb sich Mauri auf Finnlands Rennstrecken herum, besuchte Tarktormessen, Schrottplätze, untersuchte Waschmaschinen, Rasenmäher – und nahm alles mit seinem TK 64 auf. Diese Aufnahmen fanden schließlich in der Szene elektronischer Musik einige Aufmerksamkeit und gelten unter Insidern als Vorreiter des »Industrial Techno«, das gilt besonders für sein berühmtestes Stück, Otto Mötö, das er aus Anlass des 100. Jahrestages des Ottomotors komponierte. 2003 kam Mauri bei einem tragischen Autounfall in seiner Heimatstadt Jyväskyla ums Leben.

Gabi Schaffner, geb.1965 in Offenbach/Main, arbeitet interdisziplinär als Bildende Künstlerin, Kuratorin und Redakteurin. Lebt zwischen Berlin, Helsinki und Lobo/Texas.

Vorstellung im OhrCast

Meine Wertung: + + + +


BR 2
Mittwoch, 13. Februar 2013, 20:03
(weitere Sendetermine finden Sie in der Programmübersicht)

Radiotatort (61) Der Schläfer
von Fred Breinersdorfer und Katja Röder

Regie: Walter Adler
SWR 2013
ca. 54 Min.

Radiotatort

Mit:
Ueli Jäggi, Karoline Eichhorn, Jens Winterstein, Thomas Huber, Schirin Brendel, Ramin Yazdani u. a.

Stefan Konarske, Ueli Jäggi und Karoline Eichhorn; Bild: SWR / Alexander Kluge

Stefan Konarske, Ueli Jäggi und Karoline Eichhorn; Bild: SWR / Alexander Kluge

Ein brutaler Mord in Karlsruhe veranlasst die Kripo, Unterstützung beim LKA Stuttgart anzufordern. Das Opfer, ein junger Mann, Student an der Kunsthochschule, wurde aufgehängt an einem Baum in einem Waldstück gefunden. Fast sieht es so aus, als sei er gekreuzigt worden. Ein Ritualmord? Eine Tat im Affekt? Für beides gibt es Indizien. Nina Brändle und Xaver Finkbeiner erfahren, dass es sich bei dem Toten um einen Moslem handelt, dessen Familie aus dem Iran stammt. Angeblich gab es kaum Kontakt zwischen Sohn und Eltern. Dennoch haben sie ihn umgehend als vermisst gemeldet. Aber nicht nur die Familie al Hrab, die vor ihrer Flucht aus dem Iran zum gebildeten Mittelstand zählte, wirft Fragen auf: Ist sie, nach vielen Jahren in Deutschland, tatsächlich so integriert, wie es scheint? Sollte der Mord etwa damit zu tun haben, dass Mustafa al Hrab, das Opfer, eine Heirat mit dem Mädchen Leyla ablehnte, das sein Vater für ihn ausgesucht hatte? Welche Rolle spielt Manfred Müller, der Kommilitone, Mitbewohner und Freund, der sich Umar nennt, seit er zum Islam konvertierte? Und was hat es auf sich mit einer Fatwa, die gegen den Kunstprofessor des Opfers ausgesprochen wurde, nachdem er – angeblich – den Propheten Mohammed in einer Installation verunglimpft hatte? Den Professor scheint die Morddrohung nicht sonderlich zu beeindrucken, Personenschutz lehnt er jedenfalls ab. Finkbeiner und Brändle fragen beim Verfassungsschutz nach. Tatsächlich liegen dort Erkenntnisse vor: Der der tote Mustafa stand lange Zeit unter Beobachtung, die allerdings eingestellt wurde: Es hätten sich keinerlei Verdachtsmomente ergeben …

Katja Röder, geboren 1975. Auf Philosophie- und Jurastudium folgten eine Schauspielausbildung und Theater- und Filmengagements. 2006 übernahm sie die Leitung des Theaters und Musiktheaters des Münchner Kulturzentrums Pasinger Fabrik. Seit 2009 Zusammenarbeit mit Fred Breinersdorfer an Film- Hörspiel- und Theaterprojekten. 2010 Förderpreis für das Filmprojekt »Masernparty«.

Fred Breinersdorfer, geboren 1946 in Mannheim, Studium der Rechtswissenschaften und Soziologie in Mainz und Tübingen. Autor und Rechtsanwalt. Zahlreiche Veröffentlichungen und Filme, auch als Produzent und Regisseur. Diverse Preise und Auszeichnungen, u.a. Nominierung für den Academy Award 2006 für »Sophie Scholl – die letzten Tage«. Für den SWR schrieb das Autorenduo zuletzt den Radio-Tatort „Tödliche Kunst“ (2012)


DLF
Samstag, 16. Februar 2013, 00:05

Puppenstadt
von Bodo Traber und Tilman Zens

Regie: Petra Feldhoff
WDR 2012
53 Min.

Mit:
Barnaby Metschurat, Andreas Laurenz Maier, Peter Davor, Cathleen Gawlich, Janina Sachau u. a.

vv.l.n.r Barnaby Metschurat, Andreas Laurenz Maier, Peter Davor, Cathlen Gawlich und Janina Sachau; Bild: WDR/Sibylle Anneck

v.l.n.r Barnaby Metschurat, Andreas Laurenz Maier, Peter Davor, Cathlen Gawlich und Janina Sachau; Bild: WDR/Sibylle Anneck

Von einem Moment auf den anderen weiß Dr. Anders Allzir nicht mehr, was er tut. Warum hält er dieser fremden Frau eine hölzerne Bohrer-Attrappe in den Mund? Das unheimliche Erlebnis dauert nur einige Sekunden, aber lässt Anders nicht mehr los. Dunkle Erinnerungen steigen in ihm auf. War er einst ein anderer? Erschrocken entdeckt er Narben eines chirurgischen Eingriffs an seinem eigenen Kopf. Und seine Entdeckungen werden immer ungeheuerlicher: Die Stadt, in der er seit Jahren zu leben glaubt, wurde erst vor kurzem errichtet, viele Häuser, Gegenstände und sogar manche ihrer Bewohner sind Attrappen aus einem seltsamen organischen Material. Offenbar sind sie alle Figuren in einer gigantischen Inszenierung. Anders sucht Hilfe beim befreundeten Psychiater Bischoff, doch dieser weiß mehr als er zugibt – über die Welt hinter ihrer Welt und die Anderen, die dies alles kontrollieren.

Bodo Traber lebt als Synchron-, Bühnen-, Drehbuch- und Hörspielautor in Berlin.

Tilman Zens lebt als Regisseur und Autor in Madrid. Sein Langfilmdebüt „Such mich nicht!“ (2004) wurde international ausgezeichnet und vertrieben.

Für ihr Hörspiel „Die Flüsterer“ (2008) erhielten die Autoren den Kurd-Laßwitz-Preis.


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