WDR Hörspiel-Spezial: „Pfisters Mühle“ nach Wilhelm Raabe (Ursendung)

Hans Peter Hallwachs, Franziska Petri und Horst Kotterba; Bild: WDR/Sascha von Donat

Hans Peter Hallwachs, Franziska Petri und Horst Kotterba; Bild: WDR/Sascha von Donat

Am zweiten Weihnachtsfeiertag hat WDR 3 ab 15:05 Uhr wieder ein Hörspiel-Spezial Im Programm: „Pfisters Mühle“ nach der gleichnamigen Novelle von Wilhelm Raabe.

„Pfisters Mühle“ ist das Heimathaus des Dr. Eberhard Pfister, genannt Ebert. Er hat diese vor kurzem verkaufen müssen und besucht nun zum letzten Mal – und zum ersten Mal mit seiner Frau – die ehemalige Gaststätte. Er erzählt ihr vom langsamen Niedergang der Mühle, der sinnbildhaft für den Umbruch in der Zeit der Industrialisierung steht.

Sein Vater, der Schankwirt der Mühle, hatte stets viele Gäste, doch die blieben irgendwann immer mehr aus. Grund dafür ist der immer stärker stinkende Mühlbach, der alle Kunden vertrieb. Der befreundete Chemiker Dr. Asche wird um Hilfe gebeten, und der findet schnell den Grund heraus: Das Wasser wird von der Zuckerfabrik, die oberhalb der Mühle liegt, verunreinigt. Es folgt ein Prozess, den Eberts Vater zwar gewinnt, was aber den Niedergang der Mühle und auch des Wirtes nicht mehr aufhalten kann. Eine neue Zeit bricht an – auch für Ebert, der schließlich die Mühle an die Industrie verkauft.

Die Ursendung des Stückes ist als „Hörspiel-Spezial“ angekündigt und wird am Stück am zweiten Weihnachtsfeiertag in WDR 3 (15:05 Uhr) gesendet. Künftige Ausstrahlungen dürften wohl als Zweiteiler ins Programm kommen.

Das Stück hält sich im Stil der Vorlage. Der Rahmen wird aus der Erzählung Eberts gebildet, die Rückblicke werden dann auch wieder als Spielszenen ausgekleidet. Man setzt dies recht traditionell als Hörspielfassung um, sperrige Kunstgriffe und ähnliches findet man hier nicht. Das macht das Stück sehr eingängig, zumal man auch die Kulissen sehr authentisch gestalten konnte.

Das gut besetzte Ensemble füllt die prägnanten bis schrulligen Charaktere gut aus und sorgt dafür, dass die Emotionen vom Lustigen bis zum Traurigen erstklassig transportiert werden.

„Pfisters Mühle“ ist leicht und unterhaltsam, ohne banal oder belanglos zu werden. Ein Hörspiel, dem man gerne zuhört und das einen schnell in den Bann schlägt, aus dem man auch bis zum Ende nicht mehr entlassen werden möchte.

Meine Wertung: + + + +


Pfisters Mühle
von Wilhelm Raabe

Bearbeitung: Peter Steinbach
Regie: Claudia Johanna Leist
WDR 2012
115 Min.

Paul Herwig, Chris Pichler und Volker Niederfahrenhorst; Bild: WDR/Sascha von Donat

Paul Herwig, Chris Pichler und Volker Niederfahrenhorst; Bild: WDR/Sascha von Donat

Mit:
Dr. Eberhard Pfister: Paul Herwig
Emmy Pfister: Chris Pichler
Baumeister: Volker Niederfahrenhorst
Adam August Asche: Horst Kotterba
Dr. Felix Lippoldes: Hans Peter Hallwachs
Albertine Lippoldes: Franziska Petri
u. a.

Horst Kotterba; Bild: WDR/Sascha von Donat

Horst Kotterba; Bild: WDR/Sascha von Donat

Dr. Eberhard Pfister, genannt Ebert, erinnert sich an das Ende seines väterlichen Besitzes, einer alten Mühle, die als „Pfisters Vergnügungsgarten“ ein beliebtes Ausflugsziel für die Städter gewesen ist. Deren Untergang beginnt, als sich einige der Stammgäste zum Weihnachtsfest in der Mühle treffen. Ihnen fällt der bestialische Gestank auf, der vom Mühlbach ausgeht. Ebert bittet seinen Freund, den Chemiker Adam August Asche, das Wasser zu analysieren. Er entdeckt „Fäulnisbewohner“, Pilze und Algen, deren Verursacher eine Zuckerfabrik am oberen Lauf des Baches zu sein scheint. Am zweiten Weihnachtstag unternehmen die Freunde eine „Expedition zur Erforschung der Gründe vom Untergang von Pfisters Mühle“. Sie stellen fest, dass die Zuckerfabrik sogar am Festtag schwarze Rauchwolken und Rübenzucker produziert und ihre „Satansbrühe“ in den Mühlbach leitet. Dank der Gutachten des Chemikers Asche gewinnt Eberts Vater zwar den Prozess, aber der Niedergang der Mühle ist nicht mehr aufzuhalten. Es muss einem „lukrativeren, zeitgemäßeren“ Unternehmen weichen. Eberts Freund Asche wird auch in das „wasserverderbende“ Geschäft einsteigen. Er baut in Berlin die großindustrielle „Fleckenreinigungsanstalt A. A. Asche & Kompagnie“.

Wilhelm Raabe (1831-1910) verfasste 68 Romane, Erzählungen und Novellen, dazu eine kleine Zahl von Gedichten. Das Spektrum seines Werks reicht von großen, realistischen Romanen und meisterhaften Novellen bis hin zu alltäglicher Unterhaltungsliteratur. „Pfisters Mühle“ gilt als das erste Werk, das die Umweltproblematik zum Thema macht und den Konflikt zwischen Moderne und Tradition am Ende des 19. Jahrhunderts, zwischen „Schwefelwasserstoff und Gänsebraten“ darstellt.

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