Das Radioprogramm vom 7. – 13. Januar 2013

Das Hörspielprogramm im Radio für die ersten Tage im Januar ist online und kann hier eingesehen werden. Einige der interessantesten Produktion habe ich euch hier nachstehend schon mal aufgelistet.

SRF 1
Montag, 7. Januar 2013, 14:00

Der Richter und sein Henker Teil 1
von Friedrich Dürrenmatt

Regie: Franziskus Abgottspon
Musik: Robert Weber, Fernando Fantini
DRS 1986
ca. 47 Min.

CoverMit:
Hans Gerd Kübel, Ingold Wildenauer, Michael Gempart, René Scheibli, Inigo Gallo, Walter Hess u. v. a.

1950/51 als Experiment des Autors gewagt, gilt heute «Der Richter und sein Henker» als Dürrenmatts erfolgreichster und wichtigster Kriminalroman.

Über fünf Millionen Mal verkaufte sich der Roman in allen Weltsprachen. Er wurde mehrfach verfilmt und gehört seit Generationen zur Pflichtlektüre in der Schule. Sprachlich kurz und sachlich gehalten, führt der Autor seine Leser mehrmals in die Irre und erzählt eine originelle und spannende Kriminalgeschichte ohne simple Schwarz/Weiss- oder Gut/Böse-Muster.

Der moralisch ambivalente Inspektor Bärlach und der raffinierte Verbrecher Gastmann liefern sich seit Jahren einen Kampf. Dem todkranken Bärlach bleibt aber nicht mehr viel Zeit, seinen ewigen Gegenspieler zu überführen. Da bietet ihm ein Mord, den Gastmann nicht begangen hat, die Möglichkeit, sein Ziel zu erreichen: Bärlach setzt einen kleinen Verbrecher auf einen grossen an, schwingt sich selbst zum Richter auf und missbraucht einen ahnungslosen Mörder als Henker.

Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990) zählt zu den bedeutendsten Schweizer Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Weltruhm erlangte er 1956 mit seiner pechschwarzen Komödie «Der Besuch der alten Dame» und festigte ihn 1962 mit «Die Physiker».

DLR Kultur
Montag, 7. Januar 2013, 21:33

Der Bericht des Polizisten
von Georges Simenon

Bearbeitung: Uwe Schareck
Regie: Uwe Schareck
Musik: Tim Allhoff
WDR 2012
54 Min.

Mit:
Daniel Schüßler, Rudolf Kowalski, Ulrike Krumbiegel u. a.

Daniel Schüßler und Rudolf Kowalski; Bild: WDR/Sibylle Anneck

Daniel Schüßler und Rudolf Kowalski; Bild: WDR/Sibylle Anneck

Nach einer stürmischen Nacht liegt ein Unbekannter bewusstlos und verletzt auf der Straße vor dem Hof der reichen Bauernfamilie Roy. Er scheint vom Fahrrad gestürzt zu sein. Vielleicht wurde er auch angefahren. Aber war es tatsächlich ein Unfall? In der Tasche des Verletzten findet sich ein Zettel mit der Adresse der Roys. Bäuerin Joséphine hat nichts Eiligeres zu tun, als ihn heimlich verschwinden zu lassen. Doch dabei wird sie von ihrem eifersüchtigen Ehemann und Wachtmeister Liberge ertappt. Liberge, der mit dem Fall beauftragt wurde, beginnt Joséphines Vergangenheit zu durchforsten und stößt in der hermetisch abgeschlossenen bäuerlichen Welt auf eine dunkle Familiengeschichte.

Georges Simenon (1903-1989) schrieb ein umfangreiches Werk von über 500 Titeln. Weltberühmt machte ihn sein „Kommissar Maigret“. Aber auch seine Non-Maigret- Romane wurden aufgrund ihrer feinen psychologischen Skizzen weltweit geschätzt.


WDR 5
Dienstag, 8. Januar 2013, 20:05

Bitterer Ernst
von Siggi Huch

Regie: Burkhard Ax
Musik: 0
WDR 2009
54 Min.

Anne Kanis; Bild: WDR / S. Anneck

Anne Kanis; Bild: WDR / S. Anneck

Mit:
Pudel: Bjarne Mädel
Macki: Bernd Stegemann
Lena: Anne Kanis
Christine: Renate Krößner
Poschke: Alexander Hauff
Sarah: Anna Magdalena Fitzi
Winni: Mario Irrek
Kramer: Michael Evers
Radiosprecherin: Gisela Steinhauer
Kunde: Karsten Dahlem
Räuber: Santiago Ziesmer

Pudel will nicht mehr Pudel sein. Der Mann mit der Strickmütze heißt eigentlich Ingo Ernst, und so will er fortan auch genannt werden. Der einst gefeierte Comedy-Autor versucht ein Comeback, aber der Tankstellensketch, an dem er seit einem Jahr arbeitet, findet nicht das Interesse seines Produzenten Macki. Dabei gründet sich dessen Reichtum auf Pudels – nein, Ingos – erfolgreichen Sketchen, über die seinerzeit niemand in der Szene hinwegsehen konnte, an Pudel kam keiner vorbei. Zeit für eine kleine Lektion in Sachen Dankbarkeit und Respekt! Der lustige Pudel verwandelt sich in den verbitterten Ingo Ernst, und in Windeseile entwickelt sich der kleine Dämpfer, den er dem arroganten Macki verpassen will, zu einer absurden Entführungskomödie.


BR 2
Mittwoch, 9. Januar 2013, 20:03

Nebelsturm
von Johan Theorin

Bearbeitung: Andrea Czesienski
Regie: Götz Naleppa
Musik: Werner Cee
DLR 2011
57 Min.

Mit:
Joakim Westin: Bernhard Schütz
Katrine Westin: Cathlen Gawlich
Tilda Davidsson: Katharina Rivilis
Gerlof Davidsson: Otto Mellies
Mirja Rambe: Erika Skrotzki
Michael Hesslin: Guntram Brattia
Ärztin: Maria Hartmann

Ein kalter, finsterer Herbst auf der schwedischen Insel Öland. Joakim ist mit seiner Familie auf dem Hof Åludden eingezogen. Das Anwesen wurde aus dem Holz eines Schiffswracks errichtet und auf einem Balken der Scheune sind alle Namen der Toten eingeritzt, die bei dem Unglück ertrunken sind. Die bisherigen Bewohner dieses Ortes sind hier nicht glücklich geworden. Und dann wird Joakims Frau Kathrine am Strand gefunden. Sie ist tot. Im Meer ertrunken. Die junge Polizistin Davidsson nimmt sich des Falls an.

Johan Theorin, geboren 1963 in Göteborg, hat mit seinen drei veröffentlichten Romanen des geplanten Jahreszeiten-Quartetts internationalen Erfolg und wurde in dreizehn Sprachen übersetzt.

Nach dem man mit „Öland“ im Jahr 2009 eine der herausragendsten Krimiproduktionen vorlgelegt hat, versucht sich das DLR Kultur im Jahr 2011 wieder an einem Stoff von Johan Theorin. In „Nebelsturm“ erzählt er eine sehr mysteriös anmutende Geschichte, bei der ein Hof mit traurigem Schicksal im Mittelpunkt steht.

Katrine Westin wird ertrunken aufgefunden. Sie hatte vor Kurzem mit ihrem Mann den Hof Åludden bezogen, den beide renovieren wollten. Dort hatte ihre Mutter schon ein paar Jahre ihrer Kindheit verbracht.

Theorin lässt auch diese Geschichte wieder auf Öland spielen und hat damit auch Gelegenheit, seinen „Gerlof“ wieder mitmischen zu lassen. Wie schon in „Öland“ ist er auch hier wieder für den maßgeblichen Hinweis zuständig. Die karge Insel bietet einen perfekten Schauplatz für eine atmosphärische Geschichte, dass hier auch noch ein paar geisterhafte Sequenzen dabei sind, macht es zusätzlich interessant. Tatsächlich schafft man es auch, diese besondere Kulisse auch im Hörspiel zu transportieren. Das ist, neben dem guten Sprecherensemble, das Highlight dieser Produktion.

Für den Kriminalfall selbst ist der Raum, den ein Radiohörspiel bietet, fast ein wenig zu eng. Die Geschichte passt zwar in eine Radiostunde, wirkt aber etwas überschaubar, da ja auch viel Platz für die mystischen Elemente gebraucht wird, die für die Atmosphäre unabdingbar sind. Tatsächlich stört es aber nur wenig, da die Überraschung am Ende dann doch gelingt – allerdings nicht wegen der Frage nach dem Täter, sondern eher ob der Feststellung, dass es tatsächlich ein Krimi ist.

Ein aufgrund der gelungenen Atmosphäre eine entschiedene Hörempfehlung, den soliden Kriminalfall gibt’s als Zugabe.

Meine Wertung: + + + +


DLR Kultur
Mittwoch, 9. Januar 2013, 21:33

Weiterhin unbeständig
Das Wetter im Dialog

von Ursula Schötzig

Regie: Stefanie Lazai
DLR 2010
41 Min.

Mit:
Marie-Lou Sellem, Jens Wawrzeck, Matthias Matschke, Christian Gaul, Fritz Hammer, Anna Böttcher u.a.

Marie-Lou Sellem, Jens Wawrzeck, Bild: Dradio / Jonas Maron

Marie-Lou Sellem, Jens Wawrzeck, Bild: Dradio / Jonas Maron

Herr Remsing ruft beim Wetterdienst Hamburg an und will wissen, ob es in Florenz regnet. Die Servicedame heißt Frau Heidberg und verbindet weiter. So endet der Anruf in einer Warteschleife. Beim nächsten Versuch erzwingt Herr Remsing einen Dialog mit Frau Heidberg, die heitere Aussichten für Florenz versprechen kann und ihrerseits neugierig wird, als der Anrufer sich täglich mit Nachfragen meldet. Warum fährt er nicht einfach seiner Frau hinterher, wenn in Florenz die Sonne scheint? Warum hofft er auf Regen, wenn sie Regen hasst? Das Wetter bleibt heiter, aber unberechenbar wie die Beziehung zwischen Mann und Frau.

Eine vielversprechende Idee und eine ebenso spannende Besetzung – In „Weiterhin unbeständig“ kommen u. a. zwei großartige Schauspieler zu Wort: Marie-Lou Sellem und Jens Wawrczeck. Beide spielen sich hier wirklich sehr hörenswert die Bälle zu – sie verstehen es, ihren Figuren eine sehr starke, aber immer glaubwürdige Zeichnung zu verleihen.

Allerdings hätte diese Leistung es verdient, dass inhaltlich hier doch mehr bewegt würde, als es tatsächlich der Fall ist. Trotz der kurzen Spielzeit schleift sich die Geschichte etwas ab – dass es nicht voran geht, ist zwar Methode, hinterlässt aber dennoch ein leicht leeres Gefühl am Ende. Dennoch kann man sich immerhin am hörbaren Talent und Spaß der Hauptakteure erfreuen. Auch das reicht aus, dass den Hörer diese 40 Minuten nicht reuen dürften.

Meine Wertung: + + +


BR 2
Donnerstag, 10. Januar 2013, 21:03

Nebelsturm
von Johan Theorin

DLR 2011
57 Min.

sh. 9. Januar 2013, 20:03 Uhr, BR 2


WDR 5
Freitag, 11. Januar 2013, 14:05

Hotzenplotz 3 Teil 2
von Otfried Preußler

WDR 2008
ca. 30 Min.

Cover

siehe 4. Januar 2013, 14:05 Uhr, WDR 5


nordwestradio
Freitag, 11. Januar 2013, 19:05

Alfred C. Aus dem Leben eines Getreidehändlers
von Herrmann Bohlen

Regie: Judith Lorentz und Hermann Bohlen
DLR / hr 2012
57 Min.

Hörspielpreis der ARD 2012

Mit:
Harald Halgardt, Hans Kahlert, Bettina Kurth, Hermann Bohlen, Otto Sander, Matthias Matschke, Ingo Hülsmann, Gottfried von Einem, Hannes Stelzer, Edgar Bessen u.a.

Harald Halgardt; Bettina Kurt, Hermann Bohlen, Bild: Dradio / Sandro Most

Harald Halgardt; Bettina Kurt, Hermann Bohlen, Bild: Dradio / Sandro Most

Ein alter Getreidehändler wird zum Leben wiedererweckt. Alfred C. hat sein Leben lang alles gegeben, um dem Gemeinwesen zu dienen, hat mehrere hundert Millionen Mark gespendet, eine Naturpark-Bewegung ins Leben gerufen und Wochenende für Wochenende in der Lüneburger Heide Bonbonpapierchen gesammelt. Sein Bild findet sich auf allen Veröffentlichungen der Stiftung, die er gegründet hat, sein Name wird überall genannt. Aber wieso hört oder liest man nirgendwo einen Ausspruch von ihm, wieso ist nicht ein Trinkspruch übrig geblieben, wieso ist von seinen Schriften alles getilgt? Hermann Bohlen ist der Sache nachgegangen und hat dem Toten die Zunge gelöst.


SRF 1
Freitag, 11. Januar 2013, 20:00

Radiotatort: Schlössers Geheimnis
von Felix Huby

Regie: Robert Schoen
Musik: Peter Kaizar
SWR 2009
52 Min.

radiotatortMit:
Xaver Finkenbeiner: Ueli Jäggi
Nina Brändle: Karoline Eichhorn
Flora Hassenkamp: Sibylle Nicolai
Hajo Schlösser: Martin Engler
Sabine Schlösser: Birgit Bücker
Schneider: Christian Rothholz
Urs Bürgi: Martin Hug
Beate Bürgi: Eva Scheurer
Ulanowa: Maria Thorgevsky
Irina Pawlowna: Kathrin Angerer
Pjotr Pawlow: Ilja Pletner
Stüblin: Urs Bosshardt

Hajo Schlösser ist ein gefeierter Fotograf. Sein Publikum zahlt für seine großflächigen Werke hohe Summen, keine Frau kann ihm widerstehen. Aber dann findet Flora Hassenkamp, Besitzerin einer angesehenen Galerie in Konstanz, den Künstler tot inmitten seiner Werke im Magazin der Galerie. Die Konstanzer Kripo entdeckt im Atelier des Malers größere Mengen Rauschgift – weit mehr, als für den Eigenbedarf nötig. Die Spur führt über die Schweiz bis nach Sizilien. Ist die Mafia im Spiel? Das LKA wird eingeschaltet. Kriminaloberrat Xaver Finkbeiner und Kriminalhauptkommissarin Nina Brändle ermitteln in Eiseskälte am Bodensee.

Am Tatwerkzeug – einem feinen Draht – wird eine Blutspur sichergestellt, die nicht von Schlösser stammt. Vermutlich hat sich der Täter verletzt. Die DNA lässt sich aber nicht zuordnen. Denn Schlösser hatte mehr als nur eine Feindin. Fast jede Frau in seinem Umfeld besaß ein Motiv, ihn um die Ecke zu bringen…

Felix Huby, geboren 1938 als Eberhard Hungerbühler in Dettenhausen, lebt in Berlin. Huby gehört seit drei Jahrzehnten zu den meistbeschäftigten Drehbuchautoren des deutschen Fernsehens. Außerdem ist er Autor mehrerer Hörspiele. Eine seiner bekanntesten Figuren ist der inzwischen pensionierte Stuttgarter „Tatort“-Kommissar Ernst Bienzle. Im Augenblick arbeitet er an einem neuen Roman: „Bienzle und das lebenslange Kind“.

Felix Huby kehrt zum Hörspiel zurück. Diesmal ist es weder sein „Bienzle“ noch sonst eine seiner Figuren, er fügt sich hier ins SWR-Radiotatort-Schema und schreibt für die Figuren Finkbeiner und Brändle.

Huby konstruiert einen sehr traditionellen Krimi im whodunnit-Stil, der eine recht breite Palette an Verdächtigen und möglichen Motiven bietet. Das bedingt recht viele Ermittlungen in Dialogform, die dann auch den Großteil des Hörspiels ausmachen. Die Frage nach dem Täter wird zum alleinigen Spannungselement, spektakuläre Zwischenspiele sind hier Mangelware.

Huby gelingt es sehr gut, mit den Hauptfiguren zu arbeiten. Er nimmt sie so an, wie die Autoren sie bislang ausgestaltet haben und führt sie auch sehr stimmig weiter. Das Zusammenspiel zwischen beiden wird immer harmonischer, was vielleicht denjenigen, die das Aneinanderreiben von Alemanne und Schwäbin so interessant fanden, etwas zu glatt wirkt.

Schauspieler Uelig Jäggi, die alemannische Krimiallzweckwaffe, und seine Kollegin Karoline Eichhorn agieren hier auch wieder sehr unterhaltsam zusammen. Ihnen gehört der Großteil des Skriptes, die ebenfalls gut agierenden Schauspieler in den Nebenrollen bleiben hier oft nur wenige Einsätze. Gerade mal Sybille Nicolai und Maria Thorgevsky dürfen ihr Können hier in etwas größerem Umfang beweisen.

Ein sehr bodenständiger Krimi in der Kulisse des Dreiländerecks am Bodensee. Felix Huby erzählt hier einen guten Krimi, der Ermittler und Hörer viele Spuren und viele Ansätze an die Hand gibt und mit einer interessanten Lösung überzeugt.

Meine Wertung: + + + +


SWR 2
Freitag, 11. Januar 2013, 22:03

Ich bin ein Schweinehund, das ist gar nicht auszudenken
von Matthias Eckoldt und Tatjana Rese

Regie: Christoph Dietrich
Musik: Witold Lutoslawski
Studio H2 ArGel 2011
55 min.

Radio:Tipp

Mit:
Rolf Bernhard Holle: Sven Lehmann
August Eckert: Martin Seiffert
Lotte Eckert: Ilka Teichmüller

Ein Verhörraum der Berliner Kriminalpolizei im Winter 1943/44. Kommissar Rolf Bernhard Holle, Mitglied der SS und preußischer Beamter, will den Verdächtigen August Eckert des Mordes an seiner Geliebten, einer Jüdin, und deren 8-jähriger Tochter überführen. Ist es ein Mord aus kalt berechnender Habgier? Ein Mord auch aus ideologischer Verblendung? Nach vollzogener ›Rassenschande‹ der Versuch, die berufliche Existenz zu retten? Oder doch Totschlag im Affekt? – Das Hörspiel rekonstruiert nicht den tatsächlichen Verlauf des Verhörs, den die Polizeiakten nur sinngemäß und ideologisch ›bereinigt‹ dokumentieren, sondern wie es der Faktenlage nach gewesen sein könnte.

Hinter dem etwas merkwürdigen Titel verbirgt sich ein hörenswertes Hörspiel. Die Geschichte ist nicht direkt ein Krimi, auch wenn ein realer Kriminalfall zu Grunde liegt. Sein Hauptinteresse zieht es aus den Rahmenbedingungen. Dargestellt ist eine Verhörszene, bei der der Verdächtige August Eckert zum Tod einer jungen jüdischen Frau samt deren Tochter befragt wird. Der Dialog ist zwar fiktiv – die Fakten aber historisch belegt.

Neben der allmählich sich klärenden Frage, ob der Verdächtige etwas mit dem Mord zu tun hat, wirft der geschichtliche Rahmen ebenfalls Fragen auf. Es verwundert beispielsweise, dass im Jahre 1943/44 ein Mord an einer Jüdin mit solchem Nachdruck verfolgt wird. Auch die Person des Verhörführers ist interessant: Holle, zur Zeit des hier dargesetellten Geschehens SS-Hauptsturmführers, wurde nach der Entnazifizierung wieder in den bundesdeutschen Polizeidienst übernommen und letztlich sogar Stellvertreter des Präsidents des Bundeskriminalamtes.

In dieser Form des Kammerspiels überzeugen sowohl Sven Lehmann als Rolf Holle, als auch Martin Seiffert als August Eckert. Ergänzt wird das Duo von einem kleineren Auftritt Ilka Teichmüllers, die hier die Rolle der Ehefrau des Verdächtigen übernimmt.

„Ich bin ein Schweinehund…“ funktioniert als Krimi allein schon gut, unter Berücksichtigung der historischen Besonderheiten wird es aber erst richtig interessant! Hörenswert!

Meine Wertung: + + + +


rbb-kulturradio
Freitag, 11. Januar 2013, 22:04

Alfred C. Aus dem Leben eines Getreidehändlers
von Herrmann Bohlen

DLR / hr 2012
57 Min.

sh. 11. Januar 2012, 19:05 Uhr, nordwestradio


OE 1
Samstag, 12. Januar 2013, 14:00

Gefallene Schönheit
von Florian Goldberg und Heike Tauch

Regie: Heike Tauch
Musik: Jörg Gollasch
DLR 2012
57 Min.

Mit:
Judith Engel, Bernhard Schütz, Alexander Radszun, Leslie Malton u.a .

Das ehemalige Topmodel Kim Meinhardt, 42, ledig, ist von der Dachterrasse ihres Hauses gestürzt. Spuren von Gewalt finden sich nicht. Mord oder Selbstmord?

Die Ermittlungen führen in die Managementetagen des Kosmetikkonzerns HBSC, wo Meinhardt zuletzt als Marketingchefin arbeitete und die Markteinführung des angeblich revolutionären neuen Produkts „Boobsbooster“ verantwortete.

Dass hier nichts ist, wie es scheint, findet das Ermittlerteam Deixler/Engler schnell heraus. Aber keine Indizien für einen Mord. Bis Caro Englers Sohn Tobi seiner Mutter verklickert, dass man inzwischen in mehr als nur einer Wirklichkeit ermitteln kann. Mit Hilfe des Jungen beginnt eine digitale Spurensuche, bei der nicht nur der Horizont der Kommissare, sondern auch die Realität erweitert wird! Gehen Sie dazu auf http://www.boobsbooster.de!

Florian Goldberg, geb. 1962, lebt als Coach in Berlin. Er ist Verfasser mehrerer Bücher und Hörspiele.

Heike Tauch, geb. 1965, lebt als Autorin und Regisseurin in Berlin.

Hinter dem etwas zynisch geratene Titel verbirgt sich ein gut konstruierter Krimiplot im Whodunnit-Stil. Das Thema ist deutlich moderner als das Format des Hörspiels, allerdings deutet die dazu veröffentlichte Website http://www.boobsbooster.de an, dass hier mehr hinter dem Hörspiel steckt – Was? Da muss man sich bis zur Ursendung am 30.07. gedulden – erst dann wird es weitere Inforamtionen geben.

Im Hörspiel selbst lockert man den Fall mit einem netten Figurenensemble und einer gehörigen Portion Humor auf. Kommissarin Engler erinnert mit ihrem ständigen Clinch mit ihrem Sohn Tobi ein wenig an „Serjosha & Schultz“, was aber den Unterhaltungswert in keinster Weise schmälert.

Das Stück lebt natürlich von den Klischees der Modewelt, die auch durch die Charaktere im Dunstkreis des HBSC perfekt verkörpert werden. Jens Wawrczeck, Alexander Radszun, Leslie Malton und Matti Krause bringen diesbezüglich sehr viel Farbe ins Spiel.

Wie könnte es anders sein – ein guter Krimi aus den Studios des Deutschlandradios!

Auf die mediale Fortführung im Netz darf man gespannt sein!

Meine Wertung: + + + +


WDR 3
Samstag, 12. Januar 2013, 15:05

Doktor Murkes gesammeltes Schweigen
von Heinrich Böll

Bearbeitung: Hermann Naber
Regie: Hermann Naber
Musik: Rolf Hans Müller
SWF 1986
51 Min.

Mit:
Dr. Murke: Henning Venske
Techniker: Hilmar Thate
Intendant: Jürgen Thormann
Prof. Bur-Malottke: Hans-Helmut Dickow
Wulla: Christel Koerner
Higlieme: Gerd Andresen
Sängerin: Iris Werlin
Schwendling: Heinz Schimmelpfennig
Muckwitz: Berth Wesselmann
Fenn: Andreas M. Ebert
Weggucht: Patrick Blank
Krochy: Ludwig Thiesen
Wanderburn: Walter Laugwitz
Humkoke: Peter Lieck
Rina: Nina Danzeisen
Jadwiga Herchen: Edda Seippel
Cutterin: Claudia Knupfer
Dramaturg: Wolfgang Forester
Erzähler: Axel Corti
Lautsprecher: Arturo Möller
Atheist: Klaus Krauleidis

Alltag im Funkhaus. Dr. Murke, Redakteur der Abteilung Kulturelles Wort, plagt sich mit einer wenig attraktiven Aufgabe: den wortgewaltigen Essayisten Professor Bur-Malottke reut es, daß er in seinen Nachkriegsvorträgen Gott so eindeutig beim Namen genannt hat – er zieht nun eine unverbindlichere Wendung vor. Deshalb muß Murke das Wort ‚Gott‘ aus alten Sendebändern, die wiederholt werden sollen, herausschneiden und dafür die Formel ‚Jenes höhere Wesen, das wir verehren‘ einkleben. Das überflüssig gewordene Wort ‚Gott‘ findet prompt in einem Hörspiel Verwendung, an Stellen, wo ursprünglich Schweigen vorgesehen war. Aber Schweigen ist nun mal im Rundfunk nicht so gefragt. Nur der Herr Dr. Murke vom Kulturellen Wort, der hat für das Schweigen so seine ganz eigene Verwendung.

Heinrich Böll, wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren. Nach dem Abitur arbeitete er in einer Buchhandlung, dann begann er ein Germanistikstudium. 1939 wurde er in die Wehrmacht eingezogen. Er blieb Soldat, bis er im April 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er im September wieder entlassen wurde. Ab 1947 arbeitete er als freier Schriftsteller, schrieb Erzählungen, Romane, Hör- und Fernsehspiele und Theaterstücke. Er machte sich auch einen Namen als Übersetzer aus dem Englischen. Für sein Werk erhielt er 1967 den Büchner-Preis und 1972 den Nobel-Preis für Literatur. Er war Präsident des Deutschen und des Internationalen PEN-Clubs. Er starb am 16. Juli 1985 in Langenbroich.

Ein Klassiker des Radiohörspiels, hier in einer Fassung des SWF. Ein wenig ist die Zeit über diese Mediensatire gegangen. Vieles wirkt aus heutiger Sicht gar nicht mal mehr so befremdlich, so dass der Funke bei diesem Hörspiel etwas schwerer überspringen will. Aber letztlich funktioniert der Grundhumor noch immer.

Ein großer Pluspunkt dieser Produktion ist das Sprecherensemble, allen voran Henning Venske als Dr. Murke. Insbesondere sein Zusammenspiel mit Hilmar Tate und Hans-Helmut Dickow beim Neueinsprechen ist wirklich hörenswert.

„Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ ist ein Hörspiel, dass vielleicht nicht die breite Masse ansprechen dürfte, dafür aber Fans des Radiohörspiels an sich recht gut gefallen dürfte.

Meine Wertung: + + +


WDR 5
Samstag, 12. Januar 2013, 17:05

Lösegeld für einen Hund Teil 2
von Patricia Highsmith

WDR 2006
51 Min.

sh. 5. Januar 2013, 17:05 Uhr, WDR 5


NDR-Info
Samstag, 12. Januar 2013, 21:05

SilentiumTeil 2
von Wolf Haas

BR / ORF 2005
55 Min.

sh. 5. Januar 2013, 21:05 Uhr, NDR-Info


WDR 5
Samstag, 12. Januar 2013, 23:05

Lösegeld für einen Hund Teil 2
von Patricia Highsmith

WDR 2006
51 Min.


SRF 1
Sonntag, 13. Januar 2013, 14:00

La Boutique Teil 2
von Francis Durbridge

DRS 1968
ca. 40 Min.


DLR Kultur
Sonntag, 13. Januar 2013, 14:05

Der Krieg der Knöpfe
von Judith Lorentz nach Louis Pergaud

Bearbeitung: Judith Lorentz
Regie: Judith Lorentz
Musik: Henrik Albrecht
SWR / BR / DLR / hr / mdr / NDR / WDR 2007
53 Min.

Mit:
Marie: Laura Maire
Lebrac: Stefan Kaminski
Azteke / Vater: Jens Wawrczeck
Deutsche Radio Philharmonie unter der Leitung von Andreas Hempel

Für alle jungen Hörspielfans ist der 11. November 2007 ein besonderer Tag. Im Rahmen der ‚ARD-Hörspiel-Woche‘ sendet MIKADO ein Live-Hörspiel. Beim Kinderhörspieltag, federführend veranstaltet vom SWR, gibt es als Bühnenpräsentation die Welturaufführung des Kinderbuchklassikers ‚Der Krieg der Knöpfe‘. Schon seit Generationen treten die Jungs aus zwei französischen Dörfern regelmäßig gegeneinander an. Sie beschimpfen, bespucken, prügeln sich. Der Kampf folgt einem festen Ritual, das stets gleich endet: Die Sieger schneiden den Verlierern die Knöpfe ab. Leere Knopflöcher – das gibt zu Hause natürlich Ärger. Da beschließt die unterlegene Bande, splitternackt in die nächste Schlacht zu ziehen. Allerdings haben die Jungs ihre Rechnung ohne Brennnesseln gemacht. Der Bandenkrieg eskaliert, bis die beiden Anführer zur Besserung in ein Erziehungsheim gesteckt werden. In dieser feindlichen, unvertrauten Umgebung sind sie plötzlich aufeinander angewiesen – und, siehe da, Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.—Der Kinderbuchklassiker von 1912 hat heute Kultstatus. Henrik Albrecht und Judith Lorentz haben die freche Satire auf den Krieg fürs musikalische Hörspiel entdeckt.

Henrik Albrecht, geboren 1969 in Köln, ist Komponist mit Schwerpunkt auf Hörspielmusik, Pianist, Bandoneonist und Tangomusiker. Er gibt ausserdem mit einem festen Ensemble Konzerte im In- und Ausland.


mdr-figaro
Sonntag, 13. Januar 2013, 18:00

Die Versuchung
von Benno Meyer-Wehlack

Regie: Fritz Schröder-Jahn
NDR 1957
32 Min.

Mit:
Erich Weiher, Gert Martienzen

Ein junger und ein alter Mann sitzen früh morgens am Flussufer. Der Alte angelt, der Junge hat die Nacht durchgemacht und sucht Arbeit in einer der nahe gelegenen Fabriken. Stille, die von kargen Wortwechseln unterbrochen wird. Aber dann taucht am Ufer plötzlich eine Leiche auf, die Leiche eines Mannes – und die Versuchung nimmt ihren Anfang. In der Tasche des Toten findet sich ein Bündel mit Geldscheinen: 2000 Mark. Was fangen die beiden Männer mit dem Geld an, ehe sie die Polizei benachrichtigen?

Benno Meyer-Wehlack, am 17. Januar 1928 in Stettin geboren,Schriftsteller, Hörspiel- und Drehbuchautor, lebt in Berlin.


NDR-Info
Sonntag, 13. Januar 2013, 21:05

Boot Camp
von Morton Rhue

Bearbeitung: Ulrich Land
Regie: Thomas Werner
Musik: 0
WDR 2008
53 Min.

Radio:Tipp

Robert Gallinowski als Aufseher Joe und Tino Mewes als Connor; Bild: WDR/Sybille Anneck

Robert Gallinowski als Aufseher Joe und Tino Mewes als Connor; Bild: WDR/Sybille Anneck

Mit:
Connor: Tino Mewes
Joe: Robert Gallinowski
Pauly: Jona Mues
Sarah: Karoline Teska
Adam: Ludwig Blochberger
David: Philipp Danne
Sparks: Thomas Gimbel
Mr. Z: Christian Brückner
Harry: Josef Tratnik
Rebecca/Sprecherin/Deckenlautsprecher: Ruth Schiffer
Mrs. Durell: Marietta Bürger
Mr. Durell: Jürg Löw
Pick-up-Fahrer/Lautsprecher Boot: Andreas Windhuis

Mitten in der Nacht wird Connor verschleppt. Im Auftrag seiner Eltern, wie er bald herausfindet. Quer durch die USA geht die Reise zum Camp „Lake Harmony“. Netter Name für ein Boot Camp, in dem „missratene“ Minderjährige gefügig gemacht werden sollen – und zwar mit Schlafentzug, Demütigung und Prügelstrafe. Für dieses „Training“ bezahlen Connors Eltern monatlich viertausend Dollar. Connors Verbrechen: Ein Verhältnis mit einer zehn Jahre älteren Lehrerin. Jetzt soll er sich die Frau aus dem Kopf schlagen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das Einzige, was Connor in „Lake Harmony“ am Leben erhält, ist die Wut. Mit aller Kraft wehrt er sich gegen die sadistischen Aufseher und ihre Lakaien, die ihn „knacken“, seinen Willen brechen wollen. Endlich trifft er zwei Mitgefangene, denen er vertrauen kann. Und sie kapieren, dass sie nur zu dritt eine Chance haben, aus der Hölle zu entkommen …

Morton Rhue, geboren 1950 in New York, studierte Literatur, arbeitete u. a. als Straßenmusiker, Werbetexter, Journalist. Inzwischen mehrfach preisgekrönter Autor (u. a. „Die Welle“).

Morton Rhue packt als Autor keine harmlosen Stoffe an. Auch in „Boot Camp“ schildert er eine bedrückende Geschichte, die zwar fiktiv, aber leider doch sehr nahe an realen Zuständen ist.

Seinem Protagonisten Connor sollen in einem BootCamp die „Flausen“ aus dem Kopf getrieben werden. Seine Eltern bezahlen eine horrende Summe, um ihrem Sohn mit Hilfe von Drill und Folter auf den – nach ihrer Ansicht – rechten Weg zurückzuhelfen.

Die Hölle, die Connor nun erlebt, bricht ihn aber nicht. Er stemmt sich innerlich gegen die Maßnahme, wird nur nach außen hin gefügig und versucht so, den fürchterlichen Alltag im Camp zu ertragen. Es gelingt nicht – denn wie er feststellt, lassen sich die Aufseher nicht durch Schauspielerei überzeugen.

Doch eines Tages bietet sich die Gelegenheit zur Flucht – doch diese wird zu einer reinen Hetzjagd, die schließlich in einer Begegnung mit seinen Eltern und seinen Peinigern endet.

Spannend, bedrückend und mit einem überraschenden und verstörenden Ende überzeugt „Boot Camp“ auf ganzer Linie. Die Geschichte wird von einen sehr gut besetzten Ensemble, in dem insbesondere Timo Mewes, Robert Gallinowski und Christian Brückner glänzen können, erzählt. Eine packende, temporeiche Inszenierung rundet das Bild ab.

Eine absolute Hörempfehlung – spannende, packende Unterhaltung mit Tiefgang – Davon gerne mehr!

Meine Wertung: + + + + +


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