Ursendung am 16. und 23. Dezember: Eugen Ruge – In Zeiten des abnehmenden Lichts (SWR)

Cover - In Zeiten des abehmenden Lichts (ab 7.3.2013. bei argon)Am 16. und 23. Dezember 2012 sendet SWR 2 erstmals die Hörspielfassung von Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Der mit dem deutschen Buchpreis 2011 ausgezeichnete Roman  wurde von Leonhard Koppelmann, der auch Regie führte, bearbeitet. Das Hörspiel hat eine Laufzeit von 278 Minuten und ist damit fast doppelt so lang, wie ursprünglich angekündigt.

Erzählt wird die Geschichte einer vier Generationen umfassenden Familie in der DDR, über die Nachkriegsjahre und die Wende bis in die heutige Zeit. Ausgangspunkt sind zunächst Alexander und Kurt, die heute eine Schicksalsgemeinschaft blicken. Der Fokus richtet sich dann aber auf den 90. Geburtstag von Wilhelm, der kurz vor dem Fall der Mauer noch mit allem Parteibrimborium gefeiert wird, trotzdem sich schon viele aus der Familie vom System verabschiedet haben. Auf dieses Ereignis laufen immer wieder die Fäden hin, drumherum wird die Geschichte der jeweiligen Figuren erzählt, was allerdings nie linear, sondern immer sprunghaft geschieht.

Regisseur Leonhard Koppelmann und Eva-Maria Hagen; Bild: SWR/Peter A. Schmidt

Regisseur Leonhard Koppelmann und Eva-Maria Hagen; Bild: SWR/Peter A. Schmidt

Koppelmann übernimmt hier das Format des Buches und bringt diese Zeitsprünge ins Hörspiel. Obwohl die Zeiten gut gegeneinander abgegrenzt und akustisch so markiert sind, dass sie eindeutig zuordenbar bleiben, wird es dem Hörer dabei nicht leicht gemacht, denn er muss ja neben dieser zeitlichen Sortierung, auch noch die Figuren und ihre Verknüpfungen nachvollziehen. Beim Hören im Radio, ohne die Möglichkeit, zurückzuspulen, wird das Hörspiel so eine Herausforderung.

Hans Teuscher, Eva-Maria Hagen und Dieter Mann; Bild: SWR/Peter A. Schmidt

Hans Teuscher, Eva-Maria Hagen und Dieter Mann; Bild: SWR/Peter A. Schmidt

Der Großteil des Hörspiels liegt auf den Schultern des Erzählers. Dieter Mann trägt seinen Text ruhig und nüchtern vor, ohne dabei die emotionale Bindung zu verlieren. Die Hauptrollen sind ebenfalls gut und prominent besetzt; dabei sind unter anderem Eva Maria Hagen als die  systemtreue Charlotte und Devid Striesow – den man zum Glück in letzter Zeit immer öfter als Hörspielsprecher zu hören bekommt – als Enkel Alexander.

Die zurückhaltende, aber Atmosphäre schaffende Musik, stammt von Henrik Albrecht, der seinem Ruf als genialer Hörspielmusiker wieder einmal gerecht wird.

 Devid Striesow; Bild: SWR/Peter A. Schmidt

Devid Striesow; Bild: SWR/Peter A. Schmidt

Die Hörspielfassung nutzt den großen Raum, den die Spielzeit lässt, sehr gut aus. Viele Details können so präsentiert werden, wenngleich die eine oder andere erhellende Szene noch hinzugefügt hätte werden können. Dem Hörer, insbesondere dem, der sich schnell ins Format findet, wird hier eine hörenswerte Saga geboten, die mit Originalität und emotionaler Breite überzeugen kann.

Das Hörspiel erscheint am 7. März 2013 im Handel (Argon Verlag).

In Zeiten des abnehmenden Lichts
von Eugen Ruge

Bearbeitung: Leonhard Koppelmann
Musik: Henrik Albrecht
Regie: Leonhard Koppelmann
SWR 2012
278 Min.

 Irina Platon,  Michael Schweighöfer; Bild: SWR/Peter A. Schmidt

Irina Platon, Michael Schweighöfer; Bild: SWR/Peter A. Schmidt

Mit:

Erzähler: Dieter Mann
Alexander Umnitzer: Devid Striesow
Wilhelm Powileit: Hans Teuscher
Charlotte Powileit: Eva-Maria Hagen
Irina Umnitzer: Irina Platon
Kurt Umnitzer: Michael Schweighöfer
sowie Ekaterina Choulmann, Benjamin Berger, Stefanie Schönfeld u. v. a.

Die Erfahrungen von vier Generationen über 50 Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition: Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr 89 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien bis in die neu gegründete DDR, führt über die Gipfel und durch die Abgründe des 20. Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht.

Eugen Ruge geboren 1954 in Soswa (Ural), lebt in Berlin und auf Rügen. Er studierte Mathematik an der Humboldt-Universität und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Physik der Erde. Bevor er 1988 aus der DDR in den Westen ging, arbeitete er beim DEFA-Studio für Dokumentarfilm. Seit 1989 ist er hauptberuflich für Theater und Rundfunk als Autor und Übersetzer tätig. Seine Arbeiten wurden u.a. mit dem Schiller-Förderpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. 2009 erhielt Eugen Ruge für sein erstes Prosamanuskript »In Zeiten des abnehmenden Lichts« den Alfred- Döblin-Preis; 2011 wurde der daraus entstandene Roman mit dem Aspekte-Literaturpreis und mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Hörspiele, Radioprogramm, Veröffentlichungen abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s