Am eigenen Ast sägen – eine Erwiderung

Im Leitartikel der Funkkorrespondenz „Am eigenen Ast sägen – Wie man das Hörspiel unsichtbar macht“* beklagt Jochen Meißner, wie die ARD mit dem Medium Hörspiel umgeht. Neben den Einstellungen diverser Programmzeitschriften der Sender, steht u. a. auch der Niedergang des „rundfunkpolitischen Föderalismus“ in der Kritik, der durch übergreifende Formate wie den „ARD-Radiotatort“ oder das „ARD-Radiofestival“ bedroht sei. Die „echten Qualitätsprodukte“ würden für den Hörer immer unsichtbarer.

Auch ich nehme natürlich wahr, dass das Hörspiel auch im Radio schon bessere Zeiten erlebt hat. Im Grunde kann man Meißner daher nur zustimmen; Allerdings klammert seine Kritik in den o. a. Bereichen  positive Effekte und die Änderungen im Rezeptionsverhalten aus.

Natürlich ist es schade und bedauerlich, wenn sich Traditionen ändern. Man darf es natürlich beklagen, wenn die Hörspielbroschüren wegfallen – auch ich mag sie und würde diese vermissen. Andererseits darf man aber nach dem Nutzen dieser Broschüren fragen. Werden diese wirklich gebraucht?

Wenn ich als Hörer das Programm jeder Rundfunkanstalt einzeln in der jeweilgen Publikation nachschlagen müsste, wäre ich arm dran. Der „rundfunkpolitischen Föderalismus“ wäre mir hier viel zu unbequem. Zu Zeiten des reinen Funkbetriebs war das überschaubar – man bekam seinen Heimatsender und bei guter Wetterlage auch noch den Deutschlandfunk zu hören. Heute dürfte der Großteil der Hörspielhörer digital unterwegs sein, gönnt sich die Möglichkeiten Hörspiele via Internet zu hören, aufzunehmen und downzuloaden. Man findet hier viel bequemer den Zugang zum Programm, da diverse Anbieter das Radioprogramm passend aufarbeiten. Von hoerdat, phonostar bis zu meiner hoerspieltipps.net gibt es Möglichkeiten auf dem Laufenden zu bleiben. Selbst die ARD bietet einen Radiohörspielkalender, der die Informationen bündelt. Das mag der „lesenden Öffentlichkeit“ nicht immer genügen, allerdings halte ich den Personenkreis, der diese Publikationen wirklich liest, für überschaubar.

Auch bei den übergreifenden Formaten gibt es durchaus auch positive Aspekte. Gerade beim Radiotatort sehe ich – nach anfänglicher Skepsis – eine erfreuliche Entwicklung. Zum einen ist der Radiotatort meines Erachtens durchaus ein Qualitätsprodukt (geworden). Die Stoffe wurden und werden immer besser und auch die Umsetzungen haben sich vom Krimieinerlei doch angenehm entfernt. Den Begriff „Offensive der Mittelmäßigkeit“, wie Meißner die Reihe bezeichnet, halte ich für falsch, zumindest aber für zu stark überzogen.

Das Positivste ist aber, dass der Radiotatort die Leute zum Hörspiel zurückbringt. In den Rückmeldungen zum meiner Seite melden sich viele, die durch den Radiotatort überhaupt erst entdeckt haben, dass das Radio auch interessante „hörbare“ Hörspiele bietet und sich nicht nur in elitärem Kunstkram ergeht. Daher sehe ich den Radiotatort als Werbung für das Medium und eben nicht als den Auftakt zum Untergang.

In diesen Einzelpunkten kann ich der Kritik nicht zustimmen, ich hätte sie an anderen Punkten festgemacht.

Update: Da der Artikel der Funkkorrespondenz vor. nicht dauerhaft verfügbar sein dürfte, hab ich ihn gleich wieder entfernt. Dafür gibt es hier den Link zum hoerspieldesmonatsblog in dem der Text zzgl. einer Ergänzung ebenfalls nachzulesen ist.

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